Einzelne Anlieger-Straßen in Zerbst sind Feldwege. Staub, Löcher und fehlende Nebenanlagen nerven die Anwohner. Doch der Straßenbau würde sie mit 90 Prozent der Kosten treffen.

Zerbst l Die Stadt würde einen etwaigen Wunsch von Anwohnern, den Feldweg vor ihrer Nase als Straße zu errichten, begrüßen und unterstützen. "Es geht ja vor allem um die Große Wiese, den Amselweg und die entsprechenden Abschnitte von Brauereiweg und Amtsmühlenweg. Diese Feldwege sind aufgrund ihres jahrzehntelangen Bestehens mit der deutschen Einheit automatisch als öffentlicher Verkehrsraum gewidmet. Doch diese Bezeichnung hat nichts mit dem Ausbauzustand zu tun", erklärt Bernd Köhler. Der Leiter der Zerbster Bauverwaltung hat das Thema seit Jahren auf dem Tisch. "Diese Straßen können nicht ausgebaut werden, sondern müssten im Rahmen einer Erschließung gebaut werden. Bei Erschließungsprojekten gehen die Kosten nach dem Gesetz zwingend mit 90 Prozent zu Lasten der angrenzenden Grundstücke. Da gibt es keinen Spielraum."

Pech für die Anwohner? Köhler: "Wir sehen natürlich die schwierige Situation. Einerseits der Wunsch, eine vernünftige Anliegerstraße zu haben, andererseits die hohen Kosten. Dass dies aber auch gelingen kann, belegt das Beispiel Klockengassenbreite. Hier sind die Anwohner auf die Stadt zugekommen. Die Stadt hat kurzfristig nach Möglichkeiten gesucht, die anteiligen zehn Prozent aufzubringen, und dann wurde gebaut."

Die Nicht-Erschließung der unausgebauten Zerbster Anwohnerstraßen wird alljährlich neu durch Unterhaltungsaufwendungen kaschiert. "Etwas anderes können wir nicht tun", so Köhler. Und so wird auch 2014 in den aufgeführten Straßen Spezialtechnik die oberen Feldweg-Schichten aufnehmen und neu profiliert verdichten. "Das hält eine Weile, aber ist auf Dauer eigentlich kein zustand." Und kostet 20 Euro pro Quadratmeter mindestens.

Insgesamt 350 000 Euro hat die Stadt im 2014-er Haushalt für Unterhaltung des öffentlichen Verkehrsraumes vorgesehen. Aus diesen Mitteln werde nicht nur die "Feldweg-Pflege" bezahlt, sondern beispielsweise auch Reparaturen am Parkweg. Hier sollen analog zum ersten Abschnitt auf Lücke gesetzte Straßenborde endlich einen Rahmen für den Reparatur-Asphalt geben. Zum anderen sollen einzelne Gehweg-Bereiche am Teufelstein neu gepflastert werden. Zudem sollen städtische Straßen mit hoher Verkehrsbedeutung mit Asphalt repariert werden (Lusoer Straße, Brüderstraße und in den Ortsteilen).