Wie sehr die freiwilligen Feuerwehren gebraucht werden, zeigte die Jahreshauptversammlung der Stadtwehr Zerbst.

Zerbst l 471 Einsätze: Das Jahr 2013 hielt einen zweifelhaften Rekord für die Feuerwehren der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst bereit. Noch nie mussten die 27 Ortswehren zu so vielen Einsätzen ausrücken.

Die überwiegende Anzahl der Einsätze waren Hilfeleistungen. Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut merkte an, dass die Feuerwehr "bei diesen Einsätzen immer mehr zum Schlüsseldienst wird". Denn meist handele es sich um Türöffnungen für Polizei und Rettungsdienst. Und das bei durchaus schmalen Kapazitäten in der Tagesbereitschaft einzelner Wehren.

Doch die meiste Kraft raubten wohl die Einsätze mit den Stichworten Hochwasser, Sturm und Unwetter. Der Hochwassereinsatz, der als einer der 471 gezählt wird, forderte 305 Feuerwehrkameraden, zehn Kameraden der Wasserwehr, Kameraden der DLRG und etwa 200 freiwillige Helfer. "Wir haben für alle die Ehrungen beantragt", teilte Bürgermeister Andreas Dittmann den Anwesenden mit. Weitere Großeinsätze waren beispielsweise ein umgekippter Tanklastzug bei Trüben. Es drohten rund 38 000 Liter Heizöl auszulaufen sowie eine Ölspur, die sich hunderte Meter durch Zerbst zog.

So wichtig die Feuerwehren sind, so wichtig ist auch die Ausbildung der Kameraden. Dornblut kritisierte in manchen Wehren das mangelnde Interesse an Ausbildungslehrgängen. Doch vor allem kritisierte neben Dornblut auch Kreisbrandmeister Heiko Bergfeld die Situation am Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge. Lehrgänge kommen dort nicht zustande, wegen Quotierungen und aus anderen Gründen. Einer ist die mangelnde Finanzierung der Einrichtung durch das Land.

Zudem kritisierte Jürgen Dornblut die Fördermittelvergabe des Landes. Sie sei sprunghaft, nicht nachvollziehbar. "Bei 1,5 Millionen Euro für das ganze Land ist eine Fördermittelzusage einmal in zehn Jahren wie ein Sechser im Lotto." Verlässlicher Partner bleibt die Stadt Zerbst. Die Risikoanalyse werde, so Dittmann, trotz fehlender Landesmittel fortgesetzt. 2013 konnte der Gerätewagen-Logistik in Dienst gestellt werden. In diesem Jahr wird wohl im dritten Quartal ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 10 die Ortswehr Garitz/Bornum verstärken. Beide Fahrzeuge wurden ohne Fördermittel finanziert.

Positiv entwickelt sich weiterhin die Kinder- und Jugendarbeit. Es gibt zwölf Jugendfeuerwehren mit 101 Mitgliedern und acht Kinderfeuerwehren mit 58 Mitgliedern. Stadtjugendwart Tobias Wolf konnte mitteilen, dass fünf Mitglieder in den aktiven Dienst übernommen wurden. Allerdings sind auch 13 Mitglieder ausgetreten. 1815 Stunden ehrenamtliche Arbeit investierten 2013 die Jugendwarte und Betreuer in die Nachwuchsarbeit. Ein Höhepunkt in diesem Jahr wird im Veranstaltungskalender der Verbandskinderfeuerwehrtag sein, der am 28. Juni in Zerbst ausgerichtet wird.

Nicht zu vergessen ist auch der große Anteil am kulturellen Leben durch die Feuerwehrkameraden. Ob Osterfeuer, Maibaumsetzen, Dorffeste oder vieles mehr. Die Kameraden sind auch dort zur Stelle, wenn Hilfe und Unterstützung gebraucht wird.