Seit Jahren verbindet Zerbst und Jever eine enge Partnerschaft. Beide Städte verfügen über eine beeindruckende, in Teilen gemeinsame Historie. Horst Radowski vom Jeverländischen Altertums- und Heimatverein wird am Freitag den Zerbstern das Edo-Wiemken-Grabmal vorstellen.

Volksstimme: Wie kommt es, dass ein Jeveraner in Zerbst über ein Grabmonument seiner Heimatstadt spricht?

Horst Radowski: Im Grunde, ist das ganz einfach. Mitglieder des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins besuchen an diesem Wochenende Zerbst. Wir haben einen engen Kontakt zum Heimatverein, der auch Initiator dieses Vortrages ist. Und außerdem ist die Geschichte dieses Grabmals in der Stadtkirche zu Jever auch ein Stück weit Zerbster Geschichte.

Volksstimme: Inwiefern?

Horst Radowski: Das Edo-Wiemken-Grabmal ist zwischen 1561 und 1564 errichtet worden. Mit dem Ende der Herrschaft der Papinger, die den Bau des Grabmals in Auftrag gaben, fiel Jever zunächst an die Grafschaft Oldenburg und ab 1667 dem Fürstentum Anhalt-Zerbst zu. Selbst Zarin Katharina die Große war einst Besitzerin dieses Denkmals, da sie auch Landesherrin über Jever wurde.

Volksstimme: Wer ist der Erbauer?

Horst Radowski: Es wird der Werkstatt des Antwerpener Architekten und Bildhauers Cornelius II de Fries zugerechnet und besitzt als Beispiel der späten niederländischen Renaissancekunst, dem Manierismus, europäischen Rang.

Volksstimme: Ist bekannt, wer dessen Bau einst in Auftrag gab?

Horst Radowski: Fräulein Maria von Jever gab 50 Jahre nach dem Tode ihres Vaters Edo Wiemken dem Jüngeren dieses Bauwerk in Auftrag. Edo Wiemken der Jüngere aus dem Hause der friesischen Häuptlingsfamilie Papinga war der letzte männliche Regent des Jeverlandes. Er hat den Herrschaftssitz Jever gefestigt und in bedeutendem Umfang zum Deichbau an der Küste beigetragen.

Volksstimme: Hinter dem Bauwerk liegt eine bewegte Vergangenheit...

Horst Radowski: In der Tat. Es hat zwei Kirchenbrände überstanden. Mit dem Tod von Fräulein Maria endet die Herrschaft der Papinger im Jeverland 1575. Es kamen und gingen verschiedene Regenten, darunter wie gesagt das Fürstenhaus Anhalt-Zerbst, aber auch Frankreich oder das Großherzogtum Oldenburg. Mittlerweile ist das Land Niedersachsen durch Vererbung Eigentümer und somit für den Erhalt verantwortlich. Allerdings befindet sich das Grabmal in keinem guten Zustand. Es bedarf dringender Sanierungsarbeiten.

Volksstimme: Wie werden sie am Freitag ihren Vortrag gestalten?

Horst Radowski: Ich werde einen Dia-Vortrag halten, der das Grabmal mit all seinen Details reichlich bebildern wird. Wer also gern etwas über das Emo-Wiemken-Grabmonument erfahren möchte und damit auch über die Jeveraner Geschichte, ist am Freitag um 19 Uhr im Vortragsraum der Kreissparkasse in Zerbst richtig.

Volksstimme: Doch bei diesem einen Vortrag bleibt es nicht, oder?

Horst Radowski: Stimmt. Am Sonnabend um 10 Uhr wird unser Vereinsvorsitzender Pastor Volker Landig mit Horst Janssen im Fasch-Saal der Stadthalle den Jeverländischen Altertums- und Heimatverein vorstellen. Horst Janssen wird im Übrigen seine Beiträge in Plattdeutsch vortragen. Interessierte Zerbster sind sehr herzlich auch zu diesem Vortrag eingeladen.

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