Zerbst l Das Zerbster Betonwerk war der gesuchte Begriff beim Heimatfotorätsel. Helmut Morbach aus Güterglück erkannte es genauso wie Detlef Teßmann aus Zerbst. "Mein Vater hatte dort gearbeitet."

Annemarie Gründer kennt das Betonwerk genau, denn 1959 zog sie in den Zweigeschosser an der Langen Straße ein. "Vorn Trümmer, hinten Trümmer. Mein Mann hat den Garten mit der Gabel gesiebt. Gegenüber war die Wäscherei Niemann, später Außenstelle des Dienstleistungskombinates." Sie erinnert sich noch rege an die Zeit, als Zerbst-Nord gebaut wurde. "Wir hatten eine Gastherme in der Wohnung. Immer, wenn ein Block neu angeschlossen wurde, kam Dreck in die Leitung und unsere Therme musste gereinigt werden. Das war nervig." Das Betonwerk war, so Frau Gründer, über seine gesamte Existenz von Herbert Kroll geleitet worden.

Das Betonwerk entstand unmittelbar neben einem gewaltigen Ziegelberg, der aus den Trümmern der Stadt herausgesucht und vor St. Niclai aufgetürmt wurde. Daneben wurde eine Brecheranlage errichtet, der die roten Ziegel zerkleinerte. Sie wurden in die Beton- steine und später Betonblöcke verfüllt, wie Hartmut Siebert berichtete. Als der Haufen verbraucht war, wurden Schlacke und ähnliche industrielle Abfallprodukte verwendet. Siebert erinnert sich gut an die "Unterrichtstage in der Produktion", die er im Betonwerk 1958/59 verbrachte. "Wir haben dort viel gelernt, was man handwerklich sein Leben lang gebrauchen konnte. Die Ausbildung war hervorragend." Die im Heimatfotorätsel gezeigte Aufnahme stammt aus den 1970er/80er Jahren, so Siebert. "Es gab bereits die große Krananlage. Die wurde für die großen Blöcke benötigt."

Das Betonwerk produzierte nach Hohlblocksteinen erst Betonplatten von 1x1 Metern Größe, später wurden hier die Großplatten für den industriellen Wohnungsbau in Zerbst und weitere Baustellen in der einstigen DDR hergestellt. Zu der Zeit war es dem IBK, dann dem BMK, nach 1990 dem Bauunternehmen Maculan zugehörig. Das Werk machte in den 1980er Jahren den Plattenbauten Platz. Auf dem Ersatzstandort im Ahornweg ging es jedoch nie richtig in Betrieb.

Sehr gut an die Betonwerk-Zeit erinnern kann sich Ingeburg Messerschmidt. Sie war hier, später am Volkspark, zwischen 1966 und 1995 tätig. Das Arbeiten "war immer gut, das Klima unter den Mitarbeitern hat gestimmt".

Unter den Anrufern hat die Volksstimme einen biberticket-Gutschein verlost. Dieser geht an Ingeburg Messerschmidt aus Zerbst.

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