Zwölf Prozent der 12- bis 17-Jährigen rauchen, ein Drittel der 16- bis 17-Jährigen trinkt sich einmal im Monat in einen Rausch. Das Klarsicht-Projekt will mit seinem Mitmach-Parcous über Tabak und Alkohol aufklären. Dazu sind die Mitarbeiter zwei Tage in der Zerbster Ciervisti-Schule.

Zerbst l Wie trüben 1,3 Promille meine Sinne? Wie viel kosten Zigaretten auf das Jahr gerechnet? Wie viel Alkohol versteckt sich in einem Mixgetränk? - Diese und noch viele andere Fragen werden an zwei Tagen insgesamt 300 Schülern aus der Ciervisti-Schule und aus Güterglück beantwortet. Gestern war der Auftakt in der Turnhalle. Die Siebent- bis Neuntklässler konnten sich an insgesamt sieben Stationen, fünf waren moderiert, mit den Themen Alkohol und Drogen vertraut macht. "Unser Ansatz ist es, bei verschiedenen Spielen die Jugendlichen reden zu lassen. Nach eigenen Erfahrungen wird nicht gefragt", stellte Projektleiter Sebastian Thiel klar.

In Rollenspielen, Diskussionen und mit eigenen Fragen sollten sich die Jugendlichen mit den Themen auseinandersetzen. Es wurde über die Folgen von Alkohol diskutiert, die Werbung für diese Produkte hinterfragt oder gar eine Talkshow gestaltet. Jede Gruppe besuchte eine der fünf moderierten Stationen für 15 Minuten, dann wurde gewechselt. Ziel des Mitmach-Parcours soll sein, den Jugendlichen ihr eigenes Genuss- und Konsumverhalten bewusst zu machen. Die Moderatoren wollen über Wirkungen und Suchtpotenziale aufklären.

Vor sechs Jahren hatte sich Schulsozialarbeiter Norbert Krampitz um den Parcours bemüht. "Mir sind an unserer Schule massiv Raucher aufgefallen, da wollten wir einfach mal ein professionelles Projekt zur Prävention bereitstellen", begründete er. Zerbst ist mittlerweile die 350. Stadt seit 2005, wo die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ihren Parcours aufstellt.

Neugierig zeigte sich auch der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann. "Es ist eine Geschichte, die den Nerv trifft. Wenn wir es schaffen, über den moralischen Fingerzeig hinwegzukommen, dann haben wir schon sehr viel erreicht", sagte Dittmann. Auch Ciervisti-Schulleiter Franz Köppe sieht die Notwendigkeit eines solchen Projektes. "Das Rauchen ist ein richtiges Problem. Dem müssen wir versuchen entgegenzuwirken." Ein Verbot sei das Eine, die Aufklärung das Andere, machte der Schulleiter deutlich. "Es muss ein Zusammenspiel zwischen Aufklärung, Unterstützung der Eltern, aber auch Strafe sein. Gesetze allein sind schön und gut, aber bei der Umsetzung werden wir als Schule oft allein gelassen", machte Köppe deutlich.

Der Gebrauch von illegalen Substanzen ist in dieser Altersgruppe noch verschwindend gering. "Alkohol und Tabak sind oft auch Einstiegsdrogen, umso wichtiger ist es, hier den Hebel anzulegen", begründete Sebastian Thiel den Fokus des Projektes. Generell gebe es aber bereits einen Rückgang zu verzeichnen, welcher allerdings auch vom Bildungsniveau abhängig sei.

"Probleme gibt es vor allem in der Pubertät. Hier spielt eben oft der Gruppenzwang eine Rolle. Dazu kommt, wenn etwas verboten wird, wird es umso reizvoller", sagte Köppe. Thiel: "Mit dem Parcours wollen wir deutlich zeigen, dass es keinen Sinn hat, mit dem Rauchen anzufangen. Wenn es uns gelingt die Quote bei den Jugendlichen zu halten, können wir schon zufrieden sein."

 

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