"Ich wurde auch gefördert, das möchte ich weitergeben", sagt Wolfgang Albert, Vorsitzender des Flugmodellsportvereins über seine Motivation für den Verein. Welche Beweggründe es noch gibt, fragte die Volksstimme beim 50. Vereinsjubiläum nach.

Steutz l Der Traum vom Fliegen - irgendwie ist es wohl das, was den Verein Flugmodellsport und Freizeitclub Zerbst seit 50 Jahren zusammen hält - und seine unvergleichlichen Mitglieder, die teilweise seit der Gründung dabei sind, teilweise aber auch noch recht neu sind.

Zu diesem Ehrentag kamen Mitglieder, Freunde, Fürsprecher und Förderer am Sonnabend im Steutzer Landschulheim zusammen und feierten das runde Jubiläum.

Stolz und irgendwie gerührt blickte Vereinsvorsitzender Wolfgang Albert in Geschichte des Vereins. Der Ursprung liegt in der Gründung der Gesellschaft für Sport und Technik zu DDR-Zeiten und der Einrichtung von Stationen junger Techniker und Naturforscher. Als Wolfgang Albert dort 1964 beruflich tätig wurde, sollte es nur noch drei Wochen dauern, bis die Arbeitsgemeinschaft Flugmodellbau geboren wurde. Schnell waren alte bekannte "Bastler" mit ins Boot geholt, so dass bei der "ersten Sitzung" am 23. März 1964 neun Gleichgesinnte auf der Mitgliederliste standen.

Als 1968 die Schule in Steutz fertig gestellt wurde und das heutige Objekt des Landschulheims zur Debatte stand, wurde es erstmals für die Station junger Techniker und Forscher zum Feriendomizil erklärt. Von da an sollte es ebenfalls nicht lange dauern, bis dort der erste offizielle Wettbewerb stattfand. Mit seiner Hanglage war das Objekt als Durchführungsort mehr als geeignet. Zwischen 1977 und 1989 sollten dort 13 offene Wettkämpfe stattfinden und zwei Meisterschaften. "Und 1990 hatten wir hier etwas einmaliges - eine deutsch-deutsche Meisterschaft. Die Nationalmannschaft der BRD kam nach Steutz. Zwei deutsche Flaggen wehten an diesen Tagen hier", erinnert sich Albert.

Die Wende war für den Modellflugsport in Zerbst kein Ende, sondern eine Weiterführung: Die Dachorganisationen der deutschen Modellflugvereine fusionierten, der Verein wurde offiziell gegründet und man knüpfte nahtlos an die erfolgreiche Vereinsarbeit, zu der vor allem eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit gehörte, an. Mit den Otto-Lilienthal-Wettbewerben, die jährlich in Steutz stattfinden, trägt der Verein immer noch seinen Beitrag zur Jugendarbeit bei. Auch wenn der Zuspruch etwas rückläufig ist, bleiben die Mitglieder "am Ball". Und nicht nur sie. Auch ihre jahrelangen Unterstützer und Förderer stehen weiterhin hinter dem Verein und seinem Einsatz. Dazu zählt beispielsweise Horst Metzger, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Steutz. Er war bereits 1976 in der Region Steutz als Landwirt tätig und kennt den Verein genauso lange. "Schon die LPG war davon sehr angetan, dass hier in Steutz die Jugend so unterstützt wird", erinnert er sich. Nach der Wende war es da für ihn selbstverständlich, damit weiter zu machen. "Wir stellen das Land zur Verfügung, haben dabei keine Einbußen - da sollte das doch selbstverständlich sein", sagt er.

Ähnlich sieht das der Steutzer Bauer Gerhard Enzenberg. Auch er stellt Teile seines Landes für den Verein zur Verfügung, wenn in Steutz wieder Lager und Wettbewerb angesagt sind. "Wenn die Jugend das gerne macht, dann soll es ihnen ermöglicht werden", meint er. Außerdem habe die Zusammenarbeit mit dem Verein immer sehr gut funktioniert, lobt er. "Es achten alle gut aufeinander und auch auf das Land. Es bleibt nichts liegen." Seit mehr als 20 Jahren laufe es so sehr gut.

Selbst schon Erfahrungen in Sachen Flugmodellbau hatte Bauer Michael Berner gesammelt. "In der Schule war ich zur AG hier", erinnert er sich. Ganz sein Ding war es aber doch nicht, er verschrieb sich dann dem Pferdesport. Aber gerade deshalb sieht er, wie viel Arbeit und Motivation hinter dem Verein steckt. "Wir hatten selbst eine Voltigiergruppe initiiert, die aber an zu wenig Engagement scheiterte. Das ist schade. Deshalb freuen wir uns, dass wir wenigstens auf diesem Wege noch einen Verein unterstützen können, der für die Kinder eine schöne Möglichkeit aufzeigt, ihre Freizeit zu gestalten", sagt Berner.

Auch Harry Meier hat eigene Erfahrungen mit dem Modellflugbau. Er selbst war Mitglied des Vereins und war begeistert von seinem Hobby. "Das handwerkliche Geschick hat mir gefallen", sagt er. Heute ist er zwar selbst nicht mehr aktiv dabei, doch er unterstützt den Verein, soweit er kann. "Weil ich es toll finde, wenn Jugendliche nicht nur von der Straße, sondern auch vom Computer weggeholt werden und sie an handwerkliche Dinge herangeführt und ihre Leistungen auch gewürdigt werden."

   

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