Weil die Polizei kürzlich Kinder an Gleisanlagen bei Wahlitz aufgegriffen hatte, besucht gestern Katrin Beiersdorfer die Grundschule in Gommern. Die Polizistin klärt über die Gefahren auf - und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Gommern l Es ist ganz still in der vierten Klasse als Polizeioberkommissarin Katrin Beiersdorfer ihren Vortrag beginnt.

Sie zeigt eine Zeitungsanzeige. "Benedict" steht dort geschrieben und es ist zu lesen, dass er nur zehn Jahre alt wurde. "Kinder spielen und Züge rollen" steht über seinem Namen, darunter "In Liebe, Mama und Papa."

Die Bundespolizistin erklärt: "Immer, wenn meine Kollegen Kinder an Gleisen aufgreifen, suche ich den Kontakt zu den Schulen und biete an, dort aufzuklären."

Zwar werden die Kinder im Rahmen der Belehrung auf die Gefahren hingewiesen, "es ist aber meist etwas anderes, wenn ich die Videos zeige", fügte sie an. Ende Februar hatten Polizisten in Wahlitz drei Kinder von den Gleisen geholt. Ein Zugfahrer hatte diese gemeldet.

Die Bundespolizistin hält ihren Vortrag gestern gleich in fünf Klassen in der Grundschule Am Weinberg n Gommern. In einer sitzen auch jene Drei, die der Grund für die Anwesenheit der Koordinatorin für die polizeiliche Kriminalprävention ist. Sie spricht sie aber nicht darauf an. "Vorgeführt wird hier niemand", betont sie. Sie gehe davon aus, dass die Jungen wissen, wer gemeint ist, wenn sie davon redet, dass es Vorfälle an Gleisanlagen gab.

Die Polizistin erläutert den Kindern, warum die Gleise so gefährlich sind. "Ein Zug wiegt 160 Tonnen. Er hat wegen der Masse und der geringen Reibung der Stahlräder auf den Stahlgleisen den zehnfachen Bremsweg eines Autos", erklärt sie den Kinder. "Bei einem ICE, dessen 311 Tonnen mit 6500 PS auf 250 Stundenkilometer beschleunigt werden beträgt der Bremsweg 4,8 Kilometer", fügte sie an. Selbst bei einer absoluten Notbremsung braucht er noch zweieinhalb Kilometer.

"Nur 2,7 Sekunden benötigt ein Zug für 100 Meter", erzählt sie. Im Video versucht ein Mann in der gleichen Zeit die Schienen zu überqueren. Ein Pfeil wird eingeblendet und simuliert den herannahenden Zug. Als der Mann zwei Drittel der Wegstrecke geschafft hat, stoppt das Video. 2,7 Sekunden sind vorbei. Der Pfeil hat ihn bereits getroffen. Die Videos sind kurz, aber schildern die Gefahren an Gleisen eindringlich. Die Geschwindigkeit ist nicht die einzige Gefahr. Steine, die auf die Schienen gelegt werden, splittern und werden zu lebensgefährlichen Geschossen. Die Sogwirkung eines Zuges ist so groß, dass sie ein Kind in das Gleisbett ziehen kann. "15 000 Volt fließen durch die Oberspannungen", mahnt sie. Jugendliche klettern auf Züge und wissen nicht, dass sie die Leitungen nicht einmal berühren brauchen, um einen Schlag zu bekommen. "Die Lichtbogen überbrücken locker zwei Meter Entfernung. Daher ist es in Bahnhöfen auch nicht erlaubt, Luftballons mit Metallbeschichtungen mit sich zu führen." Das seien meist die besonders schönen, großen, in Herz- oder Tierformen, macht sie deutlich. "Das wissen oft auch die Lehrer nicht", fügte sie an.

Sie habe das Gefühl, dass die Vorkommnisse an Gleisanlagen wieder zunehmen. 72 Fälle von Kindern an Gleisanlagen seien im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt dokumentiert worden. In diesem Jahr seien es bereits elf Vorkommnisse, teilte sie mit. Dazu habe es bereits jetzt zwei gefährliche Eingriffe in den Bahnverkehr gegeben. "Im vergangenen Jahr waren es insgesamt drei."

Katrin Beiersdorfer hofft, dass auch die Eltern sich verstärkt mit der Thematik auseinander setzen und intensiv ihre Kinder warnen.

 

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