Helga Block und Marianne Löwigt wohnen zur Miete in einem Haus der BWZ. Schon seit Jahren ärgern sich die Frauen über den Zustand ihrer Wäsche-Wiese: "Das ist regelrecht lebensgefährlich hier". Doch erst nachdem die Volksstimme bei der BWZ nachhakte, kommt nun Bewegung in die Sache.

Zerbst l Seit fast 40 Jahren wohnt Marianne Löwigt mit ihrem Mann Jürgen zur Miete in einem Mehrfamilienhaus an der Neuen Brücke. "Ich lebe gerne hier", sagt sie. Das Verhältnis zu den Nachbarn sei gut. Vor dem Eingangsbereich recken Stiefmütterchen ihre Köpfe in die Frühlingssonne. Um die Pflege kümmert sich die 81-jährige Helga Block. Sie ist die älteste Mieterin im Haus. Als die Rentnerin eines Tages ihre Wäsche hinter dem Haus aufhängen wollte, krachte ihr plötzlich mit voller Wucht eine rostige Metall-Stange auf die Schulter. Das war im Sommer 2007. Helga Block musste sich danach ärztlich versorgen lassen: "Daraus habe ich gelernt. Meine Wäsche hänge ich seitdem zum Trocknen nur noch auf den Balkon".

Genauso macht es ihre Nachbarin Marianne Löwigt, obwohl die BWZ (Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst) hinter dem Haus in den 1990er Jahren zwei große Wäschespinnen für ihre Mieter aufgestellt hatte. Lange gehalten hätten diese jedoch nicht: "Die gingen schon nach ein oder zwei Jahren kaputt". Seitdem komplettieren sie das triste Bild auf der Wiese hinter dem Mietshaus, das die hässlichen Betonpfeiler aus DDR-Zeiten abgeben.

"Ich verstehe das gar nicht", sagt Marianne Löwigt, "es kann doch nicht so schwer sein, die hässlichen Klötze wegzuschaffen". Als die Pfeiler noch intakt waren, konnten Wäscheleinen zwischen ihnen gespannt werden. Heute rankt sich der Efeu um sie, der Beton bröckelt vor sich hin. "Früher haben wir im Sommer mit den Nachbarn oft zusammen auf der Wiese gesessen", erinnert sich Mieterin Löwigt. "Das waren schöne Zeiten, da haben die Kinder hier noch gespielt. Aber lassen sie mal heute ihre Kinder hier spielen, das ist doch lebensgefährlich!"

"Früher haben hier die Kinder gespielt"

Jetzt scheint endlich Bewegung in die Angelegenheit zu kommen: Die Volksstimme hat mit BWZ-Geschäftsführer Joachim Schlichter gesprochen. "Die Zustände sind mir nicht erst seit gestern bekannt", so Schlichter. Warum aber lässt die BWZ das Grundstück dann so verkommen? "Unser Budget ist begrenzt", argumentiert der Geschäftsführer. Vor drei Wochen habe man jedoch im Zuge einer Budgetkontrolle festgestellt, dass die finanziellen Mittel zur Entfernung der Trümmer an der Neuen Brücke durchaus vorhanden wären.

"Wir sind nun mit einer Firma im Gespräch, die die DDR-Pfeiler in unserem Auftrag entfernen soll", berichtet er. "Ein Angebot liegt bereits vor und wird derzeit von unserer Finanzabteilung geprüft." Wann genau die Trümmer wegkommen, darauf mochte Schlichter sich noch nicht festlegen. "Wir wollen hier keinen Luxus", sagen die Mieterinnen Helga Block und Marianne Löwigt, "aber schön wäre es schon, wenn wir auch wieder eine Gelegenheit bekämen, unsere Wäsche auf der Wiese hinter dem Haus zum Trocknen aufzuhängen".

Wird die BWZ auch neue Wäscheleinen für ihre Mieter spannen, wenn erst einmal die Trümmer beseitigt sind? Joachim Schlichter sagt dazu: "Das kann ich nicht versprechen. Wir müssen das Thema Wäschetrocknen ganzheitlich betrachten und schauen, wie unsere rechtlichen Verpflichtungen dazu sind. Wir werden aber bestimmt eine Lösung finden, mit der alle leben können".

Dabei wolle die BWZ auch ihre Mieter mit einbeziehen. "Über Probleme sollte man reden können", findet der Geschäftsführer. Er werde die beiden Frauen deshalb demnächst auf einen Kaffee zu sich in sein Büro einladen.