Viele Zerbster kennen Holger Hövelmann von der eigenen Jugendweihe. Am 24. Mai werden erneut Jugendliche geweiht. Volontärin Franziska Werner hat vorab mit dem Redner gesprochen.

Volksstimme: In Zerbst gelten Sie vielen als der `Mr. Jugendweihe` - sehen Sie sich selbst auch so?

Holger Hövelmann: Dass ich einen solchen Spitznamen habe, wusste ich bisher gar nicht. Danke für die Information!

Volksstimme: Als Jugendweihe-Redner treten Sie schon eine halbe Ewigkeit auf Feiern auf. Können Sie sich erinnern, wie lange Sie den Job schon machen?

Holger Hövelmann: Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Irgendwann 1994 oder 1995 muss das gewesen sein. Was ich aber noch weiß ist, dass ich bei meinen ersten Jugendweihe-Reden nicht viel älter als die Jugendweihlinge gewesen bin.

Volksstimme: Wie kamen Sie zu dem Job?

Holger Hövelmann: Ich bin von Eltern angesprochen worden, ob ich Zeit und Lust hätte, die Festrede zu übernehmen. Ich habe spontan zugesagt. Daraus sind jetzt schon rund 20 Jahre geworden.

Volksstimme: Was sind Ihre persönlichen Beweggründe, als Redner auf Jugendweihe-Feiern zu sprechen?

Holger Hövelmann: Die Jugendweihe ist nicht nur in meinem Leben ein besonderer Tag gewesen. Ich möchte mithelfen, den Jugendlichen einen schönen Tag zu bereiten, den sie in guter Erinnerung behalten. Und Spaß macht es mir auch noch dazu.

Volksstimme: Sie müssen jedes Jahr auf`s Neue zu dem selben Anlass sprechen. Wie schaffen Sie es, dass Ihnen die Ideen nicht ausgehen?

Holger Hövelmann: Das freie Reden habe ich in den letzten Jahrzehnten gelernt und der Alltag bietet so viel Erzählenswertes, dass mir die Ideen nicht ausgehen. Natürlich habe ich ein `Gerüst` an dem ich entlang rede.

Volksstimme: Bekommen Sie Rückmeldungen von Jugendlichen, vielleicht auch erst Jahre nach der Weihe?

Holger Hövelmann: Ja, sogar schön öfter. Wenn ich zu Gesprächsrunden im Gymnasium oder in der Berufsschule war, kam schon oft jemand auf mich zu und hat gesagt `Sie haben doch zu meiner Jugendweihe gesprochen`. Die- oder derjenige muss mich also in guter Erinnerung behalten haben. Und Eltern sprechen mich auch ab und zu an. Das freut mich natürlich.

Volksstimme: Haben Sie schon mal an das Aufhören gedacht?

Holger Hövelmann: Bis jetzt nicht. Solang ich noch gefragt werde, mache ich das gerne.

Volksstimme: Kurios ist ja, dass Sie sogar Ihre eigenen Kinder von Jugendlichen zu Erwachsenen geweiht haben. Wie war das für Sie als Vater?

Holger Hövelmann: Für mich als Vater waren das natürlich besondere Momente. Da waren wir gemeinsam aufgeregt. Meine beiden Töchter hatten mir jeweils die Order gegeben, sie ja nicht auf der Bühne zu drücken oder gar zu küssen. Ich habe mich daran gehalten. Beide haben es gut überstanden und waren mit ihrem Vater ganz zufrieden.