Im Laufe der bald beginnenden Schlosssaison 2014 werden die Besucher des Zerbster Schlosses das Zedernkabinett bewundern können. Der einst prächtigste Raum wird mit Hilfe bedruckter Folien wieder auferstehen.

Zerbst l In einem blauen Hefter hat Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst, jene Skizzen dabei, die das nächste große Projekt des Vereins darstellen: Das Zedernkabinett. Mit Hilfe bedruckter Folien wird der einst prunkvollste und prächtigste Raum des Schlosses sein altes Aussehen zurückerhalten.

"Wir werden definitiv noch in dieser Saison diesen Raum der Öffentlichkeit zugänglich machen."

"Derzeit sind die Folien in Arbeit", sagt Dirk Herrmann und schaut in den Ordner. Aus historischen Ansichten des Raumes hat er in mühevoller Kleinarbeit die Vorlagen für die Firma Graßhoff erstellt, die originalgetreu den Raum, dessen Decke und Wände zeigt. Wand für Wand sind dort die schmuckvollen Stuckelemente, der Kamin, Türen und Fenster, die prachtvollen Verzierungen zu sehen. In schwarz-weiß werden sie - analog dem Zweiten Fürstlichen Vorzimmer - diesem Raum neues Leben verleihen.

Noch vor zehn Jahren gab es das Zedernkabinett de facto nicht. Die heutige Decke und der Fußboden waren nicht vorhanden. Vom Erdgeschoss aus hatte man von diesem Punkt im Ostflügel aus freien Blick in den Himmel. Ein Wand war zerstört. Statt einstigem Ankleidezimmer und Zedernkabinett gab es einen großen Raum.

Das war 2003. Decke und Boden gibt es nun schon seit einigen Jahren wieder. Nachdem die Idee der Visualisierung dieses Raumes im September vergangenen Jahres geboren wurde, ist Anfang 2014 die ursprüngliche Zwischenwand wieder eingezogen, die Wände mit Rigipsplatten verkleidet worden. "Wir haben so die originale Raumgröße wiedererlangt."

Was heute den Namen "Zedernkabinett" trägt, war einst das privateste Gemach der Appartement der Fürstin Johanna Elisabeth. Es lag ganz am Ende ihrer Räumlichkeiten und diente als Schreibzimmer. "Außerdem nahm die Fürstin hier ihr Frühstück ein", erzählt der Vereinsvorsitzende. Das ist wenig verwunderlich, scheint am Vormittag die Sonne doch wunderbar in diesen Raum.

Wenn Dirk Herrmann über die Geschichte des Raumes erzählt, fallen Superlative wie "1. Liga" oder "Spitzenqualität des 18. Jahrhunderts". Kein Wunder. Durch enge Beziehungen zwischen Preußen und Anhalt-Zerbst konnte Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst den königlichen Bildhauer Johann Michael Hoppenhaupt d. Ä. für die Gestaltung mehrerer Räume verpflichten. Das Zedernkabinett entstand 1747/48. Mit ihm zogen die Dekorationsmotive des Friderizianischen Rokoko auch in das Zerbster Schloss ein. "Er war einer der Besten seinerzeit", betont Dirk Herrmann.

Sein Werk wird in den kommenden Wochen wieder erlebbar werden. Doch bei den Folien bleibt es nicht. Mitarbeiter des VHS-Bildungswerkes haben auch für diesen Raum passende Gardinen genäht. Diese schaffen zusätzlich Atmosphäre. "Wir werden definitiv noch in dieser Schlosssaison diesen Raum der Öffentlichkeit zugänglich machen können", betont Dirk Herrmann. Möglich ist dies einmal mehr durch Spenden. Der gesamte Raum ist aus Spenden finanziert.

"Wir freuen uns sehr auf die neue Saison und hoffentlich viele Besucher."

Während Dirk Herrmann das Zedernkabinett und dessen zukünftiges Aussehen beschreibt, dröhnen Bohrgeräusche durch die Schlossmauern. Die Arbeit im Schloss laufen auf Hochtouren. Elek-triker sind da, Mitarbeiter einer Klempnerei befestigen ein Stehfalzdach aus Titanzink auf dem Balkonaustritt, der über dem heutigen Eingang ins Schloss liegt. Und auch die Arbeiten im Bereich des Corps de logis gehen voran.

Jahr für Jahr sind es letzte arbeitsreiche Wochen vor der Schlossöffnung. Am 25. April wird um 19 Uhr feierlich die erfolgreiche Sonderausstellung "Zarskoje Selo - Sommerresidenz der Zaren Russlands" im Schloss eröffnet. Im vergangenen Jahr lockte sie mehr als 6300 Besucher ins Schloss. Und schon am 27. April laden die Mitglieder des Fördervereins zur ersten Sonntagsöffnung zwischen 14 und 16 Uhr ein. "Wir freuen uns sehr auf die neue Saison und auf hoffentlich viele Besucher."