Lindau/Zerbst l "Das ist echt früh." Hans-Joachim Wuttig, einer der beiden Geschäftsführer der Agrico Lindauer Naturprodukte AG, konnte mit den 60 Kilogramm vom vergangenen Freitag den ersten Spargel der anbrechenden Saison registrieren. Am Montag waren es dann schon 500 Kilogramm, "und wenn es so weitergeht, haben wir hier bald Hochbetrieb". Insgesamt rund 11 Tonnen des weißen Edelgemüses werden auf den rund 20 Hektar Spargelfläche durchschnittlich pro Saison geerntet.

Insgesamt 45 Leute werden dann eingespannt sein. "Da sind zum einen unsere polnischen Saisonarbeiter. Im Großen und Ganzen sind das seit Jahren dieselben Leute. Die kommen gern hierher", meint Wuttig und spielt auf Sorgen anderer an, die davon berichten, dass "die Polen" nur noch auf der Durchreise wären, wenn sie in Ostdeutschland sind. "Es ist eine Frage der Behandlung im Unternehmen. Ich lege viel Wert auf gute Bedingungen, auf gutes Klima und Zufriedenheit. Das Spargelstechen ist eine harte Arbeit, und ohne unsere polnischen Kräfte hätten wir hier in Lindau garantiert keinen Spargel mehr auf dem Acker."

Seit 1994 beschäftigt die Agrico bereits polnische Kräfte. Mit deutschen, so Wuttig, "wird das nichts". Doch mit dem Stechen auf dem Felde ist es mit der Spargelernte längst nicht getan. "Er kommt frisch vom Feld auf den Betriebshof. Hier wird er verwogen und erfasst, so dass wir sehen können, wer ihn gestochen hat. Anschließend wird er vor- und nachgewaschen. Danach kommt er in die Schock-Kühlung. Das ist eine Zelle, in welcher der saubere Spargel mit zwei Grad kaltem Wasser berieselt wird. Das kühlt das Gemüse soweit herunter, dass die Frische bleibt. Von hier aus wird dann direkt das Geschäft bestückt."

Was überaus wichtig ist, denn der Spargel muss noch am gleichen Tag durch den Verkauf. "Wir haben keine Lager. Es wird nur frisch verkauft." Dass dies gelingt, ist einer reihe von Stammkunden - Privatpersonen, aber auch Gaststätten und Händler - zu verdanken und einem geschickten Preisregime. "Wir haben ständig Tagespreise."

Dass Spargel tatsächlich frisch ist, kann man übrigens einzig an seiner Farbe ablesen. "Er muss weiß sein. Älterer Sparegel verfärbt sich gelblich." Und der allgemein bekannte Quitsch-Test? Das Ende abschneiden und dabei ein Quitschen hören? "Das sagt gar nichts. Wer älteren Spargel feucht hält, wird sehen, dass der beim Schneiden auch quitscht. Nein, die Farbe ist das Merkmal."

Die Spargel-Qualität hat bei der Agrico einen Namen: Martina Reimann. Sie ist in allen Verarbeitungsbereichen, insbesondere auch an der automatischen Schällinie stets mit wachen Augen auf Qualität bedacht. Schält nach, was der Automat stehen ließ, oder unterweist neue Mitarbeiter.