Gerade in Pflegebereichen erleichtern Zivildienstleistende dem Fachpersonal die Arbeit. Doch was wird daraus, wo jetzt Wehrpflicht und deshalb auch die Pflicht zum Zivildienst ausgesetzt sind?

Zerbst. Christoph Hoffmann gehört zur aussterbenden Spezies der Zivildienstleistenden. Im August 2010 trat er seinen Dienst bei der Diakonie in Zerbst an. "Ich habe meinen Dienst freiwillig auf insgesamt zwölf Monate verlängert", erzählt der 19-Jährige. Nach dem Abitur nimmt er sich nun die Zeit, in den Berufsalltag hineinzuschnuppern und sich für die Zukunft eine Berufswahl zu überlegen. "Ich weiß noch nicht genau, was ich will. Wenn ich keine Ausbildung finde, kann ich aber immer noch studieren."

Auch ohne die Möglichkeit auf einen Zivildienst hätte sich Christoph beispielsweise wohl für ein Freiwilligenjahr entschieden. "Das war einfach die beste Wahl für mich."

Schon als die Verkürzung der Wehrpflicht im Raum stand, befürchteten die Leiter der hiesigen Pflegeeinrichtungen, dass die zukünftigen Einschnitte wohl noch deutlich drastischer ausfallen werden – nämlich mit der Aussetzung der Wehrpflicht und damit verbunden des Zivildienstes.

Die Befürchtung ist nun offiziell. In Zerbst sind die Einrichtungen, die bisher mit Zivis gearbeitet haben, jedoch auf diesen Umstand vorbereitet. Sylvia Dähne, Leiterin des AWO-Seniorenzentrums am Frauentorplatz setzt auf den neu eingerichteten Bundesfreiwilligendienst, der die Freiwilligendienste des Freiwilligen Sozialen Jahres und des Freiwilligen Ökologischen Jahres erweitern soll. "Ich sehe darin vor allem die Chance für junge Menschen, die ohnehin in diesen Beruf wollen." Sie können sich ebenfalls ein Jahr in pflegerische Berufen einarbeiten, den Alltag in Seniorenheim kennenlernen. "Außerdem habe ich auch gelesen, dass diese Teilnehmer bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz bevorzugt behandelt werden sollen", so Dähne. Damit sei ein weiterer Anreiz geschaffen. Und: "Es wird niemand mehr gezwungen in diesem Bereich seinen Zivildienst zu leisten, obwohl er das gar nicht will."

Dennoch ist auch für Sylvia Dähne noch nicht absehbar, ob der Wegfall des Zivildienstes Qualitätseinbußen mit sich bringt. "In der Versorgung und Betreuung der Bewohner entsteht kein Loch, da dafür ohnehin das Personal zuständig ist", so die Leiterin. Jedoch sind Zivis und FSJler quasi das Sahnehäubchen in der Betreuung. Sie haben Zeit für gemeinsame Spaziergänge mit Heimbewohnern, für Gespräche.

Über mangelnde Bewerbungen macht sich Sylvia Dähne jedoch kein Sorgen und auch Renate Löbert, Leiterin des Seniorenheims Am Plan sieht da keine Gefahr. "Wir bauen auf die FSJler. Es gibt immer junge Menschen, die auf einen Studienplatz warten oder einen Freiwilligendienst machen, um sich zu orientieren", ist ihre Erfahrung. Momentan sind beide Stellen in Zerbst besetzt. Einen Kritikpunkt hat sie allerdings: Ihr fehlen nicht unbedingt die Zivis, jedoch die jungen Männer. "Die Zivis waren zu 100 Prozent Männer, bei den FSJlern liegt die Frauenquote bei rund 90 Prozent", weiß Löbert aus Erfahrung. "Aber damit müssen wir dann leben."

Auch die Diakonie zählte in Zerbst bisher auf Unterstützung durch zwei Zivis. "Bis zum 1. Juli, wenn der Dienst ausgesetzt wird, sind alle Stellen voll", erklärt Dietrich Landmann. Beide Zivis hätten ihren Dienst auf insgesamt zwölf Monate verlängert. Eine weitere Bewerbung ist vorhanden. "In Zukunft werden wir auf die FSJler bauen und auf den Bundesfreiwilligendienst." Einen FSJ-Platz hat es hier schon immer gegeben.