Landwirte und Vertreter des Landesamtes für Hochwasserschutz/Wasserwirtschaft diskutierten gestern den Zustand von Nuthe und Gräben der Region Zerbst.

Zerbst l Die Landwirte von Zerbst und Umgebung sind höchst unzufrieden über die Wasserführung von Nuthe und Gräben. Während die Gewässer 2. Ordnung vom hiesigen Unterhaltungsverband Nuthe/Rossel gut gepflegt werden würden, lasse die Gewässerpflege an den Gewässern 1. Ordnung zu wünschen übrig. Fließt dort Wasser schlecht ab, staut es in die Zuflüsse zurück. Oder läuft schlecht ab. Bemängelt wird das seit langem angemahnte Grundräumen (das Vertiefen der Flusssohle auf ein "ursprüngliches" Maß) genauso wie unzureichende Krautung.

Die Stimmung ist zunehmend gereizt, seit im Dezember erste konkrete Maßnahmen des Landesamtes für Hochwasserschutz/Wasserwirtschaft (LHW) vorgestellt worden waren, die sich mit der Verbesserung des ökologischen Zustandes der Nuthe, aber nur am Rande einer der landwirtschaftlichen Nutzung angepassten Wasserführung befassen. Diese Maßnahmen sind Bestandteil eines Gewässerentwicklungskonzeptes für die Nuthe. Es soll die Basis bilden zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU, die 2004 erlassen wurde.

Die Landwirte sehen sich als Verlierer. Udo Weiß und Herbert Wallwitz aus dem Zerbster Ankuhn reklamierten bereits mehrfach auch öffentlich eine Vernässung ihrer Gemüsefelder. Auch Margitta Steinz, Geschäftsführerin der LPHG Walternienburg, ist unzufrieden. Die Hauptnuthe hat oberhalb Walternienburgs ohnehin kaum Gefälle, ist zugleich durch Sohlschwellen am Fließen gehindert. Doch der LHW wehrt ab. "Es würde Ihren Wiesen nicht helfen, wenn dieser Bereich der Hauptnuthe wesentlich vertieft werden würde. Das Gefälle ist schlicht nicht vorhanden", erklärt Karl-Heinz Jährling, Mitarbeiter im Sachgebiet Ökologie im LHW, gestern während einer vom Bundestagsabgeordneten Kees de Vries (CDU) organisierten Diskussionsrunde in Zerbst. Dennoch: "Unterlassene Unterhaltung kommt hier einer schleichenden Enteignung gleich", sagt Frau Steinz.

Geríchtsurteil zu Schadenersatz

Noch umfassender beschreibt Edgar Grund die Auswirkungen der "verfehlten" Gewässerunterhaltung an den Gewässern 1. Ordnung. Der Landesbauernverbands-Justitiar und Straguther Ortsbürgermeister verweist auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes von 2013, mit welchem ein Unterhaltungsverband wegen unterlassener Gewässerunterhaltung zu über 50 000 Euro Schadenersatz verurteilt wurde. "Wir stellen fest, dass die Nuthe seit der Wende nicht grundgeräumt worden ist. Die Einwohner stellen häufiger und stärkere Wassermengen in ihren Kellern fest. Dies sind Schäden, die juristisch verfolgt werden könnten."

Allerdings ohne Erfolgsgarantie. Auch Grund musste zugeben: "Wir bewegen uns im Spannungsfeld der gemeinschaftlichen Einschätzung einer angemessenen Unterhaltung." Genau hier sei das LHW ständig "zwischen Baum und Borke", wie der für die Nuthe zuständige Frank Torger erklärte. "Wir haben neben den landwirtschaftlichen auch die Belange des Naturschutzes, der Ökologie zu beachten und sind auch an FFH-Richtlinien gebunden. Zudem sind viele unserer Unterhaltungsmaßnahmen nur in einem ganz engen Zeitfenster jährlich möglich, so dass auch nicht alles auf einmal geschehen kann."

Sein Vorgesetzter Frank Beisitzer, der Leiter des LHW-Bereiches Wittenberg, hatte zuvor grundsätzlich festgestellt, dass das LHW seine Aufgaben der Gewässerunterhaltung durchaus im nötigen Umfang erfülle. "Die Unterhaltungsmaßnahmen müssen gewährleisten, dass die durchschnittliche Jahresabflussmenge erreicht wird. Dies ist gegeben." Die Eingriffe des LHW in das Fließgewässersystem würden der Devise "soviel wie nötig, so wenig wie möglich" folgen. Zugleich räumte Beisitzer ein, dass in Auswertung verschiedener Messungen Grundräumungen im Unterlauf der Nuthe durchaus sinnvoll seien. Allerdings lägen Beschränkungen gemäß der FFH-Richtlinie vor, die Eingriffe nahezu grundsätzlich ausschließt. Zudem werde bei den Unterhaltungsarbeiten stets abgewogen, ob bewohnte Gebiete betroffen seien oder "nur" Grünflächen. Aktuell sieht er "keine Abflussprobleme".

Weitere Treffen nötig

Kees de Vries zog die Resultate der kontroversen Diskussion zusammen. Er werde erneut zu Treffen einladen. Dann soll auf Anregung von Frank Torger auch der Naturschutz beteiligt werden. Möglichst zeitnah will sich de Vries nun die angesprochenen Einzelsituationen gemeinsam mit Torger anschauen. Eine Annäherung der Standpunkte wurde nicht sichtbar.

Allerdings sagte Torger zu, in diesem Jahr mit der Krautung der Hauptnuthe am Unterlauf zu beginnen. "Wir haben nie verstanden, wieso im Oberlauf gekrautet wurde, sich das Wasser dann aber bei uns staute, weil dort nicht gekrautet war", hatte Frau Steinz erklärt. Torger: "Schon klar, aber wenn die Technik wegen der Nässe nicht an den Fluss herankommt, kann man nicht krauten. Und ehe wir nirgends krauten, nehmen wir uns Abschnitte oberhalb vor."