Die Idee ist einfach: Man nimmt mindestens zwei Motorräder und fährt auf einer Wiese im Kreis um die Wette - schon hat man ein Grasbahnrennen. Das zweite dieser Art fand am 1. Mai in Nutha statt. Etwa 200 Besucher fieberten mit und schmeckten den Staub, den die Zweirad-Youngtimer und kultigen Karossen dabei aufwirbelten.

Nutha l Im vergangenen Jahr hat Holger Markmann nur den Staub des Rennens geschmeckt. Aber in diesem Jahr war er dabei - beim zweiten Grasbahnrennen in Nutha. "Endlich hat es mit meinem Motorrad geklappt - in den letzten Stunden wurde es fahrfertig", erzählt er.

Für ihn war es noch etwas aufregender als für alle anderen Teilnehmer. Immerhin ist es seine Wiese, auf der die Motorräder ihre Runden drehten. Leider schied er bereits in den Vorläufen aus. "Den undankbaren vierten Platz gab es für mich. Aber dafür haben mir beim Fahren meine Schafe zugeblökt", nimmt er es mit Humor.

Als vergangenes Jahr der Zerbster Axel Lambrecht mit der Idee kam, die Grasbahnrennen wieder aufleben zu lassen und das Ganze auf der Wiese von Holger Markmann, war dieser sofort dabei.

Und es funktioniert doch!

Axel Lambrecht und seine Freunde waren immer wieder mit Motorrädern unterwegs und manchmal auch auf Grasbahnrennen anderenorts. Und das, obwohl diese Rennen auch schon hier in Zerbst waren. Die Idee, diese Veranstaltung in Zerbst wieder aufleben zu lassen und fortzuführen, war also schnell geboren, stieß anfänglich aber auf Kopfschütteln. Die alten Veranstalter, die zu DDR-Zeiten die Rennen in Luso und Bone organisiert hatten, meinten, es wäre heutzutage nicht mehr möglich.

Dass es doch geht, beweist Axel Lambrecht jetzt schon im zweiten Jahr zusammen mit Holger Markmann und seiner Wiese. Und die steigenden Besucher- und Teilnehmerzahlen geben ihnen Recht. Rund 200 Besucher kamen am Donnerstag zu der mehr als acht Stunden dauernden Veranstaltung. "Es sind sogar Gäste und Teilnehmer aus Berlin und Leipzig da - es spricht sich also herum", berichtet Lambrecht und freut sich über so viel Zuspruch. Auch die Gäste aus Dessau, Rosslau und dem näheren Umland, die schon im Vorjahr dabei waren, waren wieder mit von der Partie. So hat die anfänglich fixe Idee auf jeden Fall die Chance, sich als feste Veranstaltung im Jahr zu etablieren, glaubt er mittlerweile.

Urteil von Schrauber-Urgestein

Auch Motorrad-Urgesteine aus dem Zerbster Umland ließen sich bei dem Rennspaß für Jedermann blicken. Peter Tichawa aus Jütrichau, früher aktiver Fahrer und Schrauber, war an der Bahn zu sehen. Im Vorjahr trat er noch selbst an. "Aber das muss man seinen Knochen nicht mehr zumuten", sagt der 71-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln. Sein Urteil über die Bahn: "Eine gute Bahn, allerdings sehr kurvig, da muss man ein Gefühl für entwickeln."

Gefühl bewiesen zum Beispiel Fritz Bohnenstengel und Norman Pilatzek auf der ES 250 von Bernd Feierabend. Die Beiden fuhren auf einem der drei teilnehmenden Gespanne und belegten den ersten Platz. Früher schon fuhren Bernd Feierabend und Fritz Bohnenstengel zusammen auf den Rennen in Luso und Bone. "Heute hat mich die Hexe geschossen", gestand Feierabend, doch die Maschine sollte nicht anrosten. Schnell war ein neuer Fahrer gefunden: Norman Pilatzek, der Können und natürlich auch Glück mitbrachte.

Können, aber ein Quäntchen weniger Glück, brachte Julian Philipp Reintke mit. Er war mit seinen elf Jahren wohl der jüngste Teilnehmer am Grasbahnrennen. Leider verfehlte er die Qualifikation für die Endläufe knapp. "Es ist mein zweites Rennen und ich war aufgeregt", gesteht er. Dafür hinterließ er aber mächtig Eindruck bei den "Großen". Das Üben mit und bei seinem Opa hatte sich auf jeden Fall ausgezahlt. Nicht nur seine Eltern jubelten ihm aus den Zuschauerreihen zu.

Die Mischung macht`s

Die Mischung der neuen und überwiegend alten Motorräder und dass jeder teilnehmen könne, sei es, das Spaß mache und auch die Leute begeistere, ist sich Holger Markmann sicher. Auf eine Fortsetzung hoffen viel Besucher jetzt schon. Die Veranstalter sind optimistisch für das nächste Jahr.

   

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