Aktiv zur Rente Plus

Das Programm "Aktiv zur Rente Plus" ist durch das Land Sachsen-Anhalt im April aufgelegt worden. Es ist für ältere Langzeitarbeitslose vorgesehen, um sie in eine sozialversicherungspflichte Beschäftigung zu vermitteln und ist eine Erweiterung der bestehenden Richtlinie "Aktiv zur Rente".

Die Maßnahmen sind jeweils auf eine Dauer von einem Jahr ausgelegt. Die Förderung des Programms erstreckt sich maximal bis zum 30. Juni 2015.

Eine Arbeitsgelegenheit ist eine Maßnahme, in der die Teilnehmenden ausschließlich zusätzliche, im öffentlichen Interesse liegende und wettbewerbsneutrale Arbeiten verrichten.

Zerbst l Das Bild ist in dieser Saison nicht selten: Touristen stehen unter der Woche vor dem Zerbster Schloss. Sie schauen sich das Gemäuer an, umrunden so gut es geht den Ostflügel, rütteln vorsichtig an der Eingangstür. Doch sie kommen nicht hinein.

Drei Jahre lang hat Wolfgang Brademann als Teilnehmer des Programms "Aktiv zur Rente" es dem Förderverein Schloss Zerbst möglich gemacht, das Schloss in der Besuchersaison fast täglich für einige Stunden offen zu halten. Spontane Besichtigungen waren somit kein Problem. Im Februar lief die Stelle aus. Seitdem weiß Dirk Herrmann, der Vereinsvorsitzende, nicht konkret, wie es weitergeht. Im Ehrenamt ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen.

"Wir haben einen entsprechenden Antrag gestellt, in einem weiteren Programm berücksichtigt zu werden", erzählt Dirk Herrmann. Diesem wurde bereits "durch den zuständigen Beirat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld stattgegeben", teilt Ingolf Eichelberg vom Vorstand der Kommunalen Beschäftigungsagentur Anhalt-Bitterfeld auf Nachfrage mit. Allerdings ist der Projektstart zwischenzeitlich von April auf Juni verlegt worden. Entsprechend hätten einige Vereine - darunter der Schlossverein Zerbst - Probleme, die entstandene Lücke zu schließen. Einigen Vereinen wurden Stellen ab Juni in Aussicht gestellt. Konkrete Zusagen gab es seitens der KomBA ABI jedoch noch keine.

"Aufgrund verschiedener Umstände können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch einige wenige Arbeitsgelegenheiten vergeben", erklärt Ingolf Eichelberg weiterhin und betont, dass in diesem Fall die KomBA ABI helfend eingreift. "Wir als Jobcenter sind weder verpflichtet noch in der Lage, in Größenordnungen in diesem Bereich tätig zu werden." Diese nun verfügbaren Stellen werden der B A-Strukturförderungsgesellschaft, einem Tochterunternehmen der KomBA ABI, zur Verfügung gestellt. Spricht: Sie kommen auch Zerbster Vereinen zugute. Der Schlossverein sowie zwei weitere Zerbster Vereine profitieren von der Hilfe durch die KomBA.

"Wir freuen uns natürlich, sollten wir eine Stelle bekommen. Allerdings ist es für uns schon sehr spät in der Saison", sagt Dirk Herrmann. Schließlich benötigt die Einarbeitung der Maßnahmeteilnehmer eine gewisse Zeit und die Arbeitsgelegenheiten im Rahmen von "Aktiv zur Rente Plus" sind auf ein Jahr begrenzt.

"Wir haben hier tolle Sachen geschaffen, die im Moment nicht angesehen werden können - außer während der Sonntagsöffnungen und der Sonderöffnungen", sagt Dirk Herrmann. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch eine große finanzielle Belastung für den Verein. "Uns entgehen Eintrittsgelder in Größenordnungen." Zumal die laufenden Baumaßnahmen teurer als geplant würden. Folglich ist der Förderverein finanziell ohnehin stärker gefordert als geplant. "Aktuell überlegen wir ernsthaft, ob es sinnvoll ist, überhaupt weitere Fördermittelanträge zu stellen. Wenn wir keine Eigenmittel haben, ist das wenig erfolgversprechend", sagt der Vereinsvorsitzende.

Doch nicht nur Vereine sind auf diese Arbeitsgelegenheiten angewiesen. Auch die Stadt Zerbst hat Stellen beantragt. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass unsere beantragten Stellen ab dem 2. Juni besetzt werden können. Wir hoffen damit unter anderem auch auf eine Verstärkung für das Museum und die Katharina-Sammlung, um dort die gegenwärtig eingeschränkten Öffnungszeiten wieder erweitern zu können", erklärt Bürgermeister Andreas Dittmann auf Nachfrage.