Der Anhalt-Bitterfelder Kultur- und Tourismusausschuss entschied am Mittwochabend über die Kulturförderung 2014. Zwei Anträge aus Zerbst mussten schwer verteidigt werden.

Köthen l Fast hätte die abschließende Beratung über die Vergabe der diesjährigen Kulturfördermittel des Landkreises in einem Eklat geendet. Dr. Hans-Werner Trummel, als sachkundiger Einwohner stets Sitzungsteilnehmer, warf der Kreisverwaltung vor, Förderanträge sozusagen nach Gutdünken "abzubügeln". Trummel war sauer, weil die Kulturamtsverwaltung strikt nach Vorschrift (Förderrichtlinie) vorging und inhaltliche Ambitionen der Anträge außen vor ließ. So wurde beispielsweise der Antrag der "Köllingschen Fabrik e.V." auf Förderung des Kultur-Jahresprogrammes (2400 Euro) zur Ablehnung empfohlen. Der Verein habe weder einen Nachweis erbracht, ob auch bei der Standortkommune (Zerbst) Förderung beantragt wurde, noch habe er eine Projektbeschreibung vorgelegt und auch verschiedene Kostenpositionen nicht erläutert. Der Vereinsvorsitzende Dieter Beyer dazu gestern auf Volksstimme-Nachfrage: "Die Antragsprozedur ist nicht sehr angenehm. Wie will ich sonstige Kosten Monate im Voraus detailliert angeben? Das ist doch erst konkret absehbar, wenn die Veranstaltungen gelaufen sind. Entweder man schätzt nur grob, oder man lügt. Insgesamt müssen wir feststellen, dass trotz sehr frühzeitiger Einreichungsfrist über die Anträge erst sehr spät Klarheit herrscht. Wir als kleiner Verein mit meist leerer Kasse können uns darauf nicht verlassen." Die nachgeforderten Informationen habe er krankheitsbedingt nicht rechtzeitig bearbeiten können.

Ähnliche Situation beim Antrag der evangelischen Weinberggemeinde Garitz. Für sie hatte Gemeindepfarrer Thomas Meyer für die regionalen Pilgertage im Juni einen Zuschuss des Kreises von 3290 Euro beantragt. Bemängelt wurde neben fehlenden Einzel-Erläuterungen ebenfalls die fehlende Antragstellung bei der Stadt, zugleich auch der Umstand, dass die Weinberggemeinde Garitz lediglich zehn Prozent der Gesamtkosten selbst trägt. Meyer gestern: "Ich hatte unmittelbar vor Weihnachten das Schreiben mit den Nachforderungen zum Antrag erhalten. Der Termin war unglaublich knapp. Dann war dieses nur eines von vielen Projekten, die über meinen Tisch organisiert werden. Ich habe also zu spät reagiert." Er hat die Hoffnung fast aufgegeben, noch Landkreis-Förderung zu erhalten. Doch die ist nach wie vor möglich, denn insbesondere durch Interventionen des Zerbster Bürgermeisters Andreas Dittmann und eben Trummel sowie auch Prof. Dr. Hans-Poerschke während der Sitzung am Mittwoch sind beide Anträge nunmehr doch befürwortet worden. Auch weitere bemängelte Anträge aus dem Köthen-Bitterfelder Raum wurden bestätigt.

Alle 38 Anträge kommen jedoch erst zur Auszahlung, wenn der Kreishaushalt genehmigt ist und wenn feststeht, ob keine erneute zehnprozentige Haushaltssperre über alle Ausgaben gelegt wird. Dies war in Vorjahren die Regel. Somit sind 47 496 Euro der insgesamt 57 419 Euro (bei 10-prozentiger Haushaltssperre) nunmehr an Antragsteller verteilt.