Ein Kreuz gehört auf die Kirchturmspitze - so soll es auch in Pulspforde sein. Ein neues, langlebiges Kreuz ist derzeit in Arbeit.

Pulspforde l Halbschräg zeigte sich das Kreuz auf der Pulspforder Kirche noch bis vor kurzem. "Nach einem Gewitter im letzten Jahr dachten wir, der Blitz hätte eingeschlagen", erklärt Edgar Petermann diesen Umstand.

Eine Begutachtung in luftiger Höhe brachte dann aber eine andere Erkenntnis: Das Kreuz ist an der Verankerung durchgerostet. Es lag sozusagen nur noch schief in der Kugel, die es noch zum Teil gehalten hat. Schnell war klar, dass es so nicht bleiben kann. Das Kreuz wurde abgenommen.

Ein Beschluss des Kirchenrates legte schnell fest, es soll wieder eine Turmbekronung geben. "Erst wollten wir eine Restaurierung", sagt Petermann. Ein Unternehmen in der Region wurde gesucht, und in Klaus Partheil in Zerbst fand man einen Partner. Der Metallbaumeister nahm sich des Kreuzes an. Petermann vermutet, dass es das Originalkreuz ist, das beim Neubau der Kirche auf dem höchsten Punkt in Pulspforde seinen Platz fand. Damit steht es unter Denkmalschutz. "Das heißt, dass man so viel alte Substanz wie möglich erhalten soll. Doch nach genauer Begutachtung stellte sich heraus, dass das Stück so angegriffen und beschädigt ist, dass das nicht gelingen wird", erklärt Klaus Partheil.

Der neue Plan ist die komplette Neuanfertigung eines Kreuzes - eine genaue Kopie des Originals. Ein schönes Vorhaben, wie Partheil findet, denn das Kreuz hat eine ungewöhnliche Form für Ende des 19. Jahrhunderts. "Es hat keine typischen Elemente, die auf einen bestimmten Stil weisen. Ich glaube, es ist die Arbeit eines Schmiedes aus der Region, der seiner Kreativität und Gestaltung hier freien Lauf gelassen hat."

Mit der Neuanfertigung aus Baustahl, die später auch noch feuerverzinkt wird und eine Farbbeschichtung bekommt, wird man ein langlebigeres Kreuz für Pulspforde schaffen, als es das alte war. "Die Möglichkeiten sind jetzt eben ganz anders als vor über hundert Jahren", erklärt Partheil. Das alte Kreuz soll der Kirche aber ebenfalls erhalten bleiben und einen Platz in oder an der Kirche finden.

Die Aufgabe der Neuanfertigung fällt dem Auszubildenden Axel Handrich zu. Der 20-Jährige ist im zweiten Lehrjahr und freut sich über die "mal andere Aufgabe". So etwas würde man nicht jeden Tag auf den Tisch bekommen, weiß der Azubi. Hier kann er sich mal ausprobieren. Das Grundgerüst ist bereits fertig.

Wenn es fertig ist, soll es den Platz des alten Kreuzes einnehmen. Dazu muss aber noch einiges vorbereitet werden. Denn die Kugel und die Verankerung müssen auch noch mal nachgebessert werden. Besonderheit bei der Kugel: Bei der Abnahme des Kreuzes wurde in der Kugel nicht wie üblich eine Zeitkapsel gefunden. "Ich war überrascht, dass keine drin war. Und ich weiß es ja genau, da ich das Kreuz abgenommen habe", bestätigt Petermann. Warum das so ist, kann nur vermutet werden. "Vielleicht, weil zu der Zeit so viele Kirchen gebaut wurden und dann hängt so etwas natürlich auch von Personen ab", spekuliert Petermann.

Das soll aber bei der Kreuzerneuerung nachgeholt werden. Eine Zeitkapsel soll angefertigt werden und mit der Geschichte des Ortes, der Kirche und wichtigen Namen, wie denen, die das neue Kreuz finanzieren, montiert und gebaut haben. "Hier schlagen wir den Bogen zu unserem Jubiläum in diesem Jahr", verrät Petermann. Vor 800 Jahren wurde Pulspforde das erste Mal urkundlich erwähnt.

Das Kreuz ist Teil eines Kirchenprojektes: Anfang des Jahres bekam die Pulspforder Kirche schon eine neue Turmuhr, jetzt kommt das neue Kreuz. Und auch noch drei Fenster auf der Wetterseite der Kirche sollen erneuert werden. "In der Woche nach Pfingsten soll es dann einen Dankgottesdienst geben", kündigt der Chef des Gemeindekirchenrates in Pulspforde/Bonitz an.

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