Köthen (tdr) l Unkommentiert mochte Landrat Uwe Schulze die jüngst veröffentlichten Resultate der "Focus Lebenswert Studie" nicht stehen lassen. Vor dem Kreistag sagte er in der vorigen Woche: "Hier wurde der regionale Lebenswert durch ausgewählte Indikatoren beurteilt. Das Ranking bewegt einen schon, zumal man ganz hinten liegt." Die Focus-Studie sieht Anhalt-Bitterfeld auf Platz 398 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten.

Basis der Studie waren Daten aus den Jahren 2012 und 2013. Die Trendindikatoren wurden aus 2008 bis 2013 ermittelt. Schulze wollte das Resultat nicht anfechten, bezog sich jedoch sehr schnell auf das Jahr 2012. Am 3. April jenes Jahres meldete Q-Cells Insolvenz an: 1600 Angestellte verloren ihre Arbeit. Am 14. Mai dann die Sovello-Insolvenz: Nochmals 1169 Angestellte standen ohne Job da. "Das hat sich nicht nur auf diese Beschäftigten, sondern den gesamten Dienstleistungssektor ausgewirkt."

Der drittletzte Platz verbirgt auf den ersten Blick, dass der Landkreis bei einzelnen Indikatoren durchaus gut sei. So sei sie beim Abbau der Arbeitslosigkeit auf Rang 24. Bei den Kosten auf Platz 33. Hier hinein spielt beispielsweise die Grundsteuer B (Platz 87), der Baulandpreis pro Quadratmeter (Platz 32) oder der Angebotsmietpreis (Platz 60).

Im Bereich "Sicherheit" liegt Anhalt-Bitterfeld auf Platz 348. Bei Diebstahl in oder aus Wohnungen kommt er auf Platz 216 ein, bei Körperverletzungen pro 100 000 Einwohner auf Platz 238.

Aber es gebe eben auch die andere Seite, so der Landrat. Die unter dem Begriff "Wohlstand" versammelten Indikatoren beispielsweise. Bei den Bruttolöhnen und -gehältern liegt Anhalt-Bitterfeld auf Platz 355, beim Bruttoinlandsprodukt - eben wegen der beiden großen Insolvenzen - auf Platz 402. Davon war er schon 2013 wieder weit entfernt.

Schlussfolgernd sagte Schulze, man werde unter anderem die Industrie stärken und die regionale Infrastruktur optimieren.