Die Renaturierung der Nuthe wird bereits seit vielen Jahren vorangetrieben. Im Bauausschuss in nun der Zwischenstand zum aktuellen Gewässerentwicklungskonzept Nuthe vorgestellt worden.

Zerbst l Mit der sogenannten Wasserrahmenrichtlinie verfolgt die EU das Ziel, Fließgewässer und Seen in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen, typspezifische Lebensgemeinschaften zu erhalten und zu fördern sowie die ökologische Durchgängigkeit wieder herzustellen.

Diese Richtlinie hat seit Jahren konkrete Auswirkungen auf die Nuthe. Und auch zukünftig wird die Umsetzung weiterhin vorangetrieben. In Sachsen-Anhalt erfolgt die Umsetzung durch die Erarbeitung von Gewässerentwicklungskonzepten. Für die Nuthe stellte dies nun Norbert Wernike von der Gesellschaft für Ingenieur-, Hydro- und Umweltgeologie mbH vor.

Anhand einzelner Beispiele machte Wernike das Vorhaben deutlich. Beispielsweise soll die Stauanlage Zernitz in der Lindauer Nuthe vollständig entfernt werden. Zur Überwindung des vorhandenen Höhenunterschiedes von 60 Zentimetern wurde eine Raugerinne mit einem Gefälle von 1:200 gewählt. In die Gefällestrecke soll abschnittsweise der Einbau von Laichkies erfolgen. Des Weiteren ist aufgrund der vorliegenden Abflussbedingungen ein Wanderkorridor für Niedrigwasserverhältnisse vorgesehen.

Im Bereich der Grimmer Nuthe ist beim "Absturz Neue Mühle" der Einbau einer langgestreckten Sohlbreite geplant. Für die Stauanlage "Neue Mühle" sei der ersatzlose Rückbau der Anlage die ökologisch günstigste Variante. Zur Herstellung der ökologischen Durchgängkeit sollen sämtliche noch vorhandenen Teile wie Sohlplatten, Widerlager und Wehrrahmen entnommen werden. Zum Ausgleich der durch den Abriss entstandenen Hohlräume ist der Einbau von Kies vorgesehen. Die Kiesflächen dienen als Laichhabitat und erhöhen damit die Lebensraumqualität dieses Gewässerabschnittes.

Neben baulichen Veränderungen sind noch weitere strukturverbessernde Maßnahmen vorgesehen, wie der Einbau von Totholz als Strömungslenker, die Bepflanzung mit Gehölzen, die Schaffung von funktionsfähigen Gewässerrandstreifen und Altarmanschlüsse.

Die einzelnen Maßnahmen werden im Zuge der Konzepterarbeitung auch mit den betroffenen Landwirten und landwirtschaftlichen Betrieben besprochen. Zwei Informationsveranstaltungen hat es bereits gegeben. "Die Resonanz fiel unterschiedlich aus", erklärte Norbert Wernike. Des Weiteren gab es auch Vorgespräche mit den betroffenen Eigentümern der Grundstücke.

Bis Ende Juni soll das Gewässerentwicklungskonzept (GEK) Nuthe vorliegen. "Das GEK ersetzt jedoch keine planungsrechtlichen Verfahren", betont Norbert Wernike. Sprich: Für die einzelnen Baumaßnahmen sind jeweils einzelne Verfahren durchzuführen, zu denen die Träger öffentlicher Belange anzuhören sind. "Außerdem gibt es eine Projektarbeitsgruppe, in der auch die Kommunen und Verbände vertreten sind", so Wernike.

Später als Juni dürfte die Fertigstellung auch nicht erfolgen. Schließlich sollen noch EU-Fördergelder von 2015 bis 2021 für die Baumaßnahmen gesichert werden.