Wirtschaftsförderung, Infrastruktur, demografischer Wandel und Kultur waren die Themen des Volksstimme-Wahlforums zur Landratswahl am 25. Mai. Alle vier Kandidaten standen am Donnerstag Rede und Antwort.

Zerbst l In Sachen Wirtschaft zählen für Landratskandidatin Kathrin Hinze (Linke) drei Faktoren: die mittelständischen Unternehmen in Zerbst, eine Stärkung der Landwirtschaft und eine bessere Nutzung des touristischen Potentials. Wovon sie sich auch weitere Arbeitsplätze verspricht.

Daniel Roi (AfD) nannte ebenfalls das Stichwort mittelständische Unternehmer. Er erläuterte zudem, was aus seiner Sicht in Thalheim falsch gelaufen sei. Ronald König (Freie Wähler) lobte die Gfa. "Die Zerbster Firmen sind gut, breit und mittelständisch aufgestellt", sagte Amtsinhaber Uwe Schulze (CDU). Sie könnten sich seiner Unterstützung gewiss sein.

Bei der Sanierung der Kreisstraßen wollte Ronald König keine Versprechen abgeben. Das hänge von der Haushaltslage ab. Dagegen ist sich Daniel Roi sicher, dass mit den vorhandenen Mitteln die Straßen besser gepflegt werden können. Er wisse um den Sanierungsbedarf, räumte Uwe Schulze ein. Allerdings könne in wenigen Jahren nicht aufgeholt werden, was über Jahrzehnte vernachlässigt worden sei. Für Kathrin Hinze ist wichtig, dass Prioritäten gesetzt werden und nicht der dran kommt, "der am lautesten schreit".

Ein Patentrezept, wie mit dem demografischen Wandel umzugehen ist, hat keiner der vier Kandidaten. Aus Ronald Königs Sicht ist die ältere Generation heute viel agiler als noch vor 30 Jahren. Sportvereine sollten für sie mehr Angebote bereithalten. Für Uwe Schulze sind Arbeitsplätze entscheidend, die so viel Lohn bieten, dass damit Familien ernährt werden können. Die Wirtschaft schätzte auch Kathrin Hinze als am wichtigsten ein. Sie sprach Kita-Öffnungszeiten an, die den Arbeitszeiten der Eltern angepasst sind. Nicht nur demografischen Wandel, sondern auch Abwanderung konstatierte Daniel Roi. Die Jungen gingen, wenn es heißt "das macht zu und das macht zu".

Cornalia Graefen-Küllenberg befragte die Kandidaten zur Kultur. Eines der "umstrittensten" Themen, stellte Uwe Schulze fest und lobte zugleich, wie Zerbst "aus eigener Kraft heraus" agiere. Kathrin Hinze schwebt die Gründung einer Bürgerstiftung vor. Daniel Roi will ein Sozialticket für ehrenamtlich Tätige einführen. Ronald König äußerte seine Skepsis, dass eine Bürgerstiftung bei der derzeitigen Zinslage funktionieren könnte. Ulrike von Thadden wollte von Daniel Roi wissen, ob die AfD gegen Europa ist und ob er wisse, wie viel Geld der EU jährlich nach Anhalt-Bitterfeld fließe. "Euro-skeptisch, aber nicht EU-feindlich", erklärte Roi die Haltung seiner Partei. Die konkrete Zahl der EU-Mittel konnte er nicht nennen, wies aber auf die Zahlungen des Bundes an die EU hin.

Ronald Maaß brachte das Thema Schulentwicklung ein: "Ist es nicht an der Zeit, dass man sich wehrt?"

Ronald König kündigte an, am Dienstag an einer Demonstration in Magdeburg teilzunehmen. Als Landrat wolle er versuchen, Druck aufzubauen. Daniel Roi hakte ein und beanspruchte für sich, das Aktionsbündnis auf vielen Veranstaltungen unterstützt zu haben. Kathrin Hinze will sich für die "beste Bildung vor Ort" stark machen und nannte Mecklenburg-Vorpommern als Beispiel für kleine Schulen im ländlichen Raum. Wichtig sei, dass im Schulsystem "Stabilität und Kontinuität" einziehe, sagte Uwe Schulze, der sich zuvor schon als Freund der POS, befreit von allem DDR-Ballast, bezeichnet hatte.

Hauptsächlich gingen die Kandidaten respektvoll miteinander um. Quer geschossen wurde mehrmals von Daniel Roi, der Kathrin Hinzes falsch bedruckte Wahlplakate (Katrin statt Kathrin) oder Uwe Schulzes Unfall anriss. "Über den Schreibfehler bin ich mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen", konterte die Kandidatin ungerührt.

Bilder