Laut Statistischem Landesamt verweilten die Touristen im Jahr 2013 in Zerbst im Durchschnitt 2,1 Tage. Doch diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, weiß Tourist-Chefin Viola Tiepelmann.

Zerbst l 10 371 Ankünfte, 22 049 Übernachtungen - der Blick in die Statistik des Landesamtes ist für die Einheitsgemeinde Stadt Zerbst im ersten Moment recht ernüchternd. Es sind die Zahlen für Ankünfte, Übernachtungen und Aufenthaltsdauer der Gäste in Beherbergungsbetrieben inklusive Camping im Jahr 2013. 2,1 Tage blieben die Touristen durchschnittlich in Zerbst. Werte, die Städte wie Querfurt, Havelberg, Haldensleben oder Coswig in etwa teilen.

"Allerdings sind diese Zahlen eher mit Vorsicht zu genießen", erklärt die Zerbster Tourismus-Chefin Viola Tiepelmann. In dieser Statistik werden Beherbungsbetriebe ab zehn Betten geführt. "Für Zerbst sind 13 Betriebe in der Statistik aufgeführt, in unserem Imageprospekt sind es 27." Im Bereich Zerbst seien es vor allem die kleinen Pensionen, Ferienwohnungen und Privatzimmer, die gut ausgebucht sind, "aber nicht in die Statistik eingehen".

Auch die Verweildauer von zwei Tagen sei nicht negativ zu sehen. "Wir sind keine Urlaubsregion. Wir sind eine Tourismusregion." Seit Jahren sei der Trend da, dass mehr und mehr Tagestouristen die Region zwischen Elbe und Fläming bereisen. "Der Tagestourist darf auch nicht unterbewertet werden. Auch er isst und trinkt hier, gibt Geld aus", sagt Viola Tiepelmann. Hotelerie und Gastgewerbe profitieren von diesen Tagestouristen gleichermaßen. Gerade bei den Stadtfesten und auch den Festen in den Umlandgemeinden seien zahlreiche Tagestouristen vor Ort.

Doch es sind auch andere Zahlen, die diesen Trend unterstreichen. Bis zu 100 Stadtführungen werden allein in der Tourist-Info pro Jahr gebucht. In diesem Jahr waren es bis heute schon 34 - und die sehr gut gebuchten Monate kommen noch. 1458 Männer und Frauen haben 2014 bereits die Tourist-Info aufgesucht. "Das sind die Tagesgäste, die wir zählen. Die Reisegruppen dahinter zählen wir nicht mit, auch nicht die Radfahrer, die im Umland einkehren", macht Viola Tiepelmann deutlich.

Bislang läuft das Tourismusjahr 2014 in Zerbst gut. "Natürlich ist nichts so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte", so die Tourist-Chefin. Da wäre zum Beispiel der Schlossgarten, dessen Fertigstellung eine weitere Aufwertung für die Katharina-Stadt bedeuten würde.

Manchmal vermisst Viola Tiepelmann auch ein großes Haus in Zerbst. Gerade zu den Faschfesttagen wäre dies schön. "Aber die Strukturen sind hier über Jahre so gewachsen. Selbst in Roßlau, Dessau und Wittenberg haben große Häuser schließen müssen." Zumal die Zufriedenheit der Touristen in den kleinen Häusern sehr hoch ist. "Das hören wir immer wieder in den Gesprächen raus und auch das ist sehr wichtig." Für die meisten Tagesgäste sei Zerbst eine Liebe auf den zweiten Blick. "Ich würde sagen, dass der Großteil der Tagesgäste keine klare Vorstellung davon hat, was sie von Zerbst erwarten sollen", schildert Viola Tiepelmann ihre Erfahrungen. 98 Prozent seien dann aber positiv überrascht über die kulturelle Vielfalt und Historie. "Und diese positiven Eindrücke sind enorm wichtig. So wird über Zerbst gesprochen und weitere Tagesgäste kommen zu uns."

Dabei ist und bleibt Zarin Katharina das touristische Zugpferd. Doch auch das Umland mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten wird stets mit beworben. "Das ist uns auch sehr wichtig. Wir sind auf einem guten Weg."