Zerbst l Donnerstagabend, 16.50 Uhr: In allen Werkhallen der Wema in Zerbst schrillen die Alarmgeber. Aus einem der Sanitärräume quillt Rauch. Theaternebel, aber das wissen weder die Feuermelder in den Werkhallen noch die rund 100 in der Spätschicht tätigen Mitarbeiter. Beide funktionieren. Das Alarmsignal der empfindlichen Rauchmelder löst automatisch Räumungsalarm aus. Die Werkzeugmaschinenbauer verlassen ihre Arbeitsplätze. Keine fünf Minuten später stehen sie im laut Alarm- und Evakuierungsplan vorgegebenen Bereich im Freien, der auch an diesem heißen Tag von Bäumen beschattet ist. Die Stärkemeldung wird zur Wache gegeben: alle evakuiert.

Diese Nachricht wird vom Zerbster Wehrleiter Steffen Schneider bewusst "geändert": "Zwei Personen im Sanitärraum vermisst", gibt er den binnen acht Minuten nach Alarmierung als erste eingetroffenen Kameraden der Zerbster Wehr mit. Die fahren an der entsprechenden Halle vor, ein Erkundungstrupp legt Atemschutzausrüstung an und verschwindet im Nebel.

17.22 Uhr werden die beiden "Dummys" ins Freie getragen. "Unverletzt", schmunzelt Schneider.

Die Übung war von langer Hand geplant, sollte eigentlich bereits im vorigen Jahr erfolgen. Doch der Firmen-Buschfunk hatte den Termin herausposaunt, sie wurde daraufhin abgeblasen. "Wir wollen wissen, wie es läuft, wenn alle überrascht sind", sagt Ronald Ertel. Er ist Sicherheitsfachkraft, Umweltmanagementbeauftragter und Brandschutzbeauftragter der 550-Mann-Firma. "Mit einer solchen Übung testen wir unsere Sicherheits- und Brandschutzeinrichtungen, aber beispielsweise auch die Flachspiegelbrunnen", so Ertel. "Die Ecken und Kanten erkennt man nicht auf dem Papier, sondern nur im Test."

Auch die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr hatten ihre Übungsziele. "Zum einen wollten wir den Feuerwehrverbund der Wehren Zerbst und Jütrichau testen. Das hat prima geklappt. Zerbst war mit vier Fahrzeugen und 22 Kameraden im Einsatz, Jütrichau mit zwei Fahrzeugen und neun Kameraden. Die Zeiten waren im Limit. Allerdings hat sich gerade für die Zerbster erneut gezeigt, dass die Dessauer Straße im Bereich der Schule ein erhebliches Hindernis ist. Unsere Kameraden stecken hier auf dem Weg zur Wache häufig hinter einem Bus oder Pkws von Eltern, die ihre Kinder abholen, fest. Das ist ein großes Problem", sagt Schneider.

Zufrieden ist er mit dem Vorgehen der Kameraden und seinem Zugführer René Borkowitz, der den Einsatz leitete. Und: "Wir haben festgestellt, dass es auch mit dem Funken klappt, wenn wir eines unserer Fahrzeuge als Verstärkerstation einbinden. Das erspart der Wema, wo wir allein mit Handsprechgeräten nicht kommunizieren können, den Einbau einer entsprechenden Anlage." Das freut Ertel, und auch Detlef Lorbeer vom Brandschutzamt des Landkreises ist froh, zu dem Thema Klarheit zu haben.