Tauwetter und weiterer Regen – die Flüsse steigen an. Und doch hofften viele, dass Zerbst an der Alarmstufe 3 vorbeischrammen würde. Nun steht fest: Das Hoffen war vergebens. Gestern beriet der Stab für Hochwasserschutz der Stadt Zerbst.

Zerbst. Die Nuthe und die Elbe führen bekanntlich Hochwasser (Aken: Alarmstufe I; Barby: Alarmstufe II, beide gelten seit Dienstag). "Die aktuelle und vorhergesagte Wetterlage sowie die Wasserstandsvorhersagen lassen eine länger andauernde Hochwasserlage der Elbe mit der Alarmstufe 3 von heute ab etwa 6 Uhr bis Freitag, dem 22. Januar, vermuten", sagt Andreas Fischer, Bau- und Ordnungsdezernent der Stadt Zerbst sowie Leiter des Hochwasserstabes.

Aufgrund der Wasserstandsvorhersage wird ebenfalls mit der Ausrufung der Alarmstufe 3 für den Bereich Pegel Barby für heute ab 6 Uhr und Bereich Pegel Aken ab morgen ab zirka 16 Uhr gerechnet. "Das bedeutet, dass durch den Wasserwehrleiter ein ständiger Wachdienst zu organisieren ist", so Fischer. "Die Information der Unterabschnitte Steutz, Hohenlepte, Walternienburg und Gödnitz erfolgt durch den Wasserwehrleiter Hans Wink."

Mit der Ausrufung der Alarmstufe 3 kam und kommt auf den Bauhof der Stadt Zerbst beispielsweise noch mehr Arbeit zu. So musste die Bauhofleiterin Regina Frens bis heute morgen 6 Uhr dafür sorgen, dass rund 50 gefüllte Sandsäcke im Hochwassermateriallager Hohenlepte abholbereit auf dem Anhänger zur Verfügung stehen. Eine gesamte Sandsackreserve von 200 Sandsäcken – davon 150 Stück auf Paletten – war ebenfalls abzusichern.

Auch den Einsatz von Personal für die Verladung beziehungsweise Zugmaschine ist durch die Bauhofleiterin zu gewährleisten. Die Verladetechnik wurde über die Landwirtschaftliche Produktions- und Handelsgesellschaft Walternienburg mbH geordert.

"Natürlich wurden und werden auch alle Eigentümer der festgelegten Grundstücke situationsbedingt durch uns informiert", weiß Andreas Fischer. "Betroffene Bürger können sich auch außerhalb der Dienstzeiten an den Bereitschaftsdienst der Stadt Zerbst wenden", gibt Andreas Fischer einen wichtige Hinweis. Der Bereitschaftsdienst ist unter Telefon (01 70) 4 81 62 66 zu erreichen.

Die Stabsstelle ist übrigens im Feuerwehrgerätehaus Walternienburg untergebracht und wurde mit den entsprechenden Kommunikationsmitteln ausgestattet. Diese Einsatzzentrale koordiniert die von der zuständigen Wasserbehörde angeordneten Maßnahmen vor Ort.

Während der Hochwasserstab gestern tagte, zeigten sich in Zerbst betroffenen Anwohner vergleichsweise entspannt. Auf dem Grundstück von Karl Stephan beispielsweise stand das Hochwasser bis Donnerstag im Vorgarten gefährlich hoch. "Aber mittlerweile ist es weg", sagt er. Zwar sind noch einige größere Wasserstellen zu sehen, doch das Schlimmste ist vorerst überstanden. "Es kam sogar die Feuerwehr vorbei und hat Sandsäcke gebracht, mit denen wir unser Gartenhäuschen schützen konnten", so Stephan. Doch bevor das Wasser die Sandsäcke erreichte, zog es sich zurück. "Die bleiben trotzdem erst einmal liegen."

Trotz der Vorhersage weiterer Niederschläge hat sich die Lage für die Anwohner an der Ankuhnschen Brücke weiterhin entspannt. Obwohl die Nuthe prallt gefüllt dahin fließt, ist der Pegel dennoch leicht gesunken. Anwohnerin Renate Kilz ist erleichtert. "Zum ersten Mal überhaupt stand das Wasser in unserem Garten. So schlimm war es noch nie", sagt sie. Auch ihr Nachbar Günter Bieder bestätigt dies. "Ich lese immer an einer Treppe ab, wie hoch der Pegel ist. Beim höchsten Stand des Wassers war vor wenigen Tagen die letzte Stufe erreicht", erzählt er. Bis auf sein Grundstück, das direkt hinter der Ankuhnschen Brücke liegt, ist das Wasser jedoch nicht vorgedrungen. "Das ist bisher auch noch nie passiert. Es ist alles soweit Ordnung."

 

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