Zerbst l 50 Jahre verheiratet: Um ihre goldene Hochzeit zu feiern, luden am Sonnabend Edeltraut und Wolfgang Herrmann Freunde, Bekannte und Verwandte ein. Auf das Wohl der "goldenen Brautleute" wurde an einem besonderen Ort angestoßen: im Zerbster Schloss. Sohn Dirk, der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Zerbst, hatte seinen Eltern diesen besonderen Wunsch ermöglicht. "Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, hier im Schloss zu feiern", strahlte Frau Herrmann glücklich. Denn bislang ging es stets eher um andere Gäste des Hauses, wenn sie sich ins Vereinsleben einbrachte.

Edeltraut Herrmann stammt ursprünglich aus Danzig. Mit gut zwei Jahren flüchtete die Familie und landete in Zerbst. "Dabei hatten sie noch großes Glück, denn eigentlich sollte es mit der Gustloff über die Ostsee gehen. Doch da kam etwas dazwischen", berichtete sie. Das als Fähre genutzte Kreuzfahrt- und Lazarettschiff war am 30. Januar 1945 mit über 10 000 Flüchtlingen aus Pommern an Bord von einem russischen U-Boot torpediert worden. Etwa 9000 Menschen starben.

Am Sonnabend, während der Feier im Schloss, waren diese tragischen Ereignisse weit weg. Stärker war das Erinnern an die gemeinsamen Jahre. Die Beiden lernten sich in der Wema kennen: Wolfgang Herrmann lernte dort, und Edeltraut traf ihn im Rahmen von schulischen Einsätzen in der Produktion des Öfteren in dem Zerbster Großbetrieb. Geheiratet wurde auf Einladung Verwandter im Voigtland. "Eine Hochzeitsreise? Nein, das ging wegen des Geldes nicht." Aber Beide freuten sich, als sie kurz nach der Hochzeit in Zerbst eine der neu gebauten AWG-Wohnungen am Teufelstein zugesprochen bekamen. Zehn Jahre wohnten sie dort, doch mit Sohn Dirk war sie eigentlich stets zu klein. So zog die Familie in eine etwas größere Wohnung in die Neue Brücke, wo sie heute noch wohnt.

"Ich kann von hier aus das Schloss sehen, und ich sehe dann also auch, wenn Dirk dort ist", teilt Frau Herrmann die Leidenschaft des Sohnes für das Schloss. Ihr Großvater, so Dirk Herrmann, hatte sogar selbst als Maurer um 1920 im Schloss zu tun. "Als kleiner Junge hätte ich ihn fragen können, wie das so war. Aber damals hatte mich das noch nicht so interessiert," bedauert Dirk Herrmann. Den Stammbaum der Familie hat er übrigens bis ins Jahr 1670 zurückverfolgt. "Alles Handwerker oder Dienstleister", so Dirk Herrmann.

Das Goldpaar war äußerst firmentreu. Frau Herrmann war 42 Jahre in der Sparkasse tätig, Wolfgang Herrmann ausschließlich in der Wema. Bei soviel Treue ist logisch, dass auch die Ehe sehr gut gehalten hat und noch viele Jahre halten wird.