Noch bis Mitte Juni stellt die Nedlitzerin Giso Kakuschke im Zerbster Kunstfenster aus. Seit vier Jahren legt sie ihren künstlerischen Schwerpunkt auf die Malerei.

Zerbst l Die Sonnenstrahlen zündeln, als wären sie die Flammen eines Lagerfeuers, ein grauer Grenzpfahl buhlt um Aufmerksamkeit und eine Schnecke zieht sich um einen Teich. "Open Vision" (Offene Vision) nennt Giso Kakuschke ihre farbenprächtige Acrylmalereien, die derzeit im Schaufenster des Kunstfensters stehen. Die Teile V, IX und VI, in denen sie stets neue Variationen ihres Grundthemas probiert, hat sie ausgestellt und spricht gern mit Betrachtern darüber, was sie auf den Bildern sehen. "Ich bin da noch lange nicht, wo ich hin möchte", sagt sie zu den verschiedenen Entwürfen. Vor ihrem inneren Auge sehe sie alles ganz konkret, aber beim Malen lösten sich die Konturen auf...

Jeder, der vor den "Open Visions" steht, interpretiert die Farben und Formen anders. Manchmal sind auch Deutungen dabei, die für Giso Kakuschke völlig neu sind. Für sie eine schöne Erfahrung. "Guck mal, die küssen sich!", rief eine Frau, als sie eines von Kakuschkes Wolken-Bildern betrachtete. Ein Erlebnis, dass die Künstlerin nicht missen möchte - auch wenn küssende Wolken nicht ihre Intention waren.

Die in Bonn geborene Giso Kakuschke wohnt seit kurzem in Nedlitz. Das Dorf im Vorfläming nennt sie ihren "Traumort". Dort und auch in Zerbst fühlt sie sich sehr willkommen. Bislang lebte sie in Städten, jetzt hat sie sich mit allem drum und dran dem Landleben verschrieben.

Das könne auch sehr fordernd sein, sagt Giso Kakuschke, die einen großen Garten bewirtschaftet. Andererseits schöpfe sie viel Kraft und Energie aus ihrer Arbeit in der Erde.

Wegen eines Unfalls, dessen Folgen noch nicht ausgestanden sind, hatte die Künstlerin keine Vernissage anlässlich ihrer Ausstellung im Kunstfenster veranstaltet. Der Trubel wäre noch zu anstrengend gewesen. Deshalb ist auch die Idee, eine Installation für das Kunstfenster zu schaffen, erst einmal in den Hintergrund gerückt, aber nicht vergessen. Bei Interesse steht sie gern für Gespräche bereit. Dann erklärt sie beispielsweise die komplexe Entstehung ihrer Höhenmalerei, die den zweiten Schwerpunkt ihrer Ausstellung bildet.

Auf der Höhenmalerei ist dieselbe Frau in verschiedenen Posen aus unterschiedlichen Sitzungen zu sehen. "Das Aktzeichnen eignet sich besonders gut zum Sehenlernen." Während sich das Modell in Zeitlupentempo bewegt, bringt Giso Kakuschke sie immer wieder aufs Papier. "Da hat man nicht viel Zeit und muss ganz scharf sehen."

Als sie ihre Zeichnungen digitalisierte und mit ihrem Fotobearbeitungsprogramm experimentierte, "sah das plötzlich so aus wie auf Stein geritzt". Giso Kakuschkes Begeisterung war geweckt. Sie las viel über Höhenmalerei und fand es immer spannender, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ihr gelang es, eine Struktur zu finden, die dem großformatigen (ein Meter mal drei Meter) Pigmentdruck Höhen und Tiefen verleiht, als wäre es tatsächlich Malerei in einer Höhle.

Erste Kontakte zur Zerbster Kunstszene knüpfte Giso Kakuschke bei der Hobby-Ausstellung anlässlich der Zerbster Kulturfesttage, deren breites Spektrum ihr sehr sympathisch sei. Sie sei sehr dankbar, dass sie in der Stadt mit so offenen Armen empfangen wurde. "Das sind alles unglaublich nette Frauen, mit denen ich zu tun habe." Überhaupt habe sie die Zerbster nicht als so "verschlossen" kennengelernt, wie man ihnen das nachsage.