Zerbst. "Dunkel war‘s, der Mond schien helle ..." schrieb Leser Gerd Diemunsch kürzlich an die Redaktion. Speziell die Bewohner des Blockes Markt 2 bis 8 wünschen sich jede Nacht Vollmond. "Die drei Leuchten des Innenhofes haben ihren Geist aufgegeben. Dieser Zustand besteht aber nicht erst seit einigen Wochen, sondern reicht schon Monate ins Jahr 2010 zurück."

Tatsächlich ist es im Wohnblock-U von Markt-Bäckerstraße-Jüdenstraße äußerst finster. "Öffentliche Toilette, Müllplatz und Parkplätze liegen seit Monaten im Dunklen. Dies ist ein unzumutbarer Zustand, da viele ältere Bürger hier wohnen und sich bei diesen extremen Witterungsbedingungen abends kaum aus dem Haus trauen", schreibt Leser Diemunsch.

Bereits knapp ein Jahr, erklärt Bernd Köhler, wären die drei in dem Bereich befindlichen Straßenlampen aus DDR-Zeiten von der Stromversorgung abgeklemmt worden. Der Zerbster Amtsleiter Bauverwaltung kennt die Gegebenheiten sehr gut und auch den Zuständigen. "Die Lampen stehen auf dem Grundstück der Wohnungsgenossenschaft ,Frohe Zukunft‘. Das wurde vor gut einem Jahr im Rahmen einer Grundstückszuordnung festgestellt. Die Stadt hat praktisch jahrzehntelang in diesem Bereich private Flächen ausgeleuchtet. Dieser Zustand wurde mit den Vertretern der Genossenschaft beraten. Die Stadt hat die Lampen nicht willkürlich von heute auf morgen einfach so abklemmen lassen. Zuvor wurde erfragt, ob Interesse an der Nachnutzung und Übernahme besteht. Dies war dann aber nicht der Fall."

Knut Jacob, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft, sieht die Situation ein wenig anders. "Ich weiß nicht genau, ob es im Zusammenhang mit dem Ausbau des Marktes oder dem Plattmachen der alten Grundstücke an der Jüdenstraße geschah, jedenfalls wurden 2009 die Grundstücke eingemessen. Und da hat man dann festgestellt, dass unser Grundstück nicht nur die Zuwegung und die Parkflächen an dem Block Markt 2 bis 8 ist, sondern hinter der Bordsteinkante noch einen Meter dazu. Genau dort stehen diese Lampen. Und schwuppdiwupp sollen nun die Genossenschafter den Strom für diese Lampen selbst zahlen. Das wären 1570 Euro pro Jahr. Wem soll ich das denn abverlangen?"

Aus alldem ist eine seltsame Situation erwachsen. Denn unmittelbar an der Grundstücksgrenze und vielleicht 30 Meter vom prächtig beleuchteten Markt wurde durch die Stadt ein öffentliches Pissoir aufgestellt. Kommt man vom Markt und muss zum stillen Örtchen, so wird man es kaum finden. Wer aber weiß, wo es steht oder dem Wegweiser blind vertraut, rennt womöglich dagegen, so dunkel ist es. "Nein nein. Das ist beleuchtet!", beteuert Köhler. Und erklärt die Handhabe: "Man muss einen Moment lang vor dem Örtchen stehen bleiben, ehe sich das Licht einschaltet." Die Verzögerung soll wohl bewirken, dass streunende Katzen nicht ständig für Flutlicht sorgen, denn in der Tat entpuppt sich das Pissoir-Außenlicht als ganz passabler Halogenstrahler. Jeder Gast mit viel "Druck" jedoch wird die Zeituhr am Scheinwerfer verwünschen.

Die Situation soll sich absehbar nicht ändern. Für Amtsleiter Köhler ist der Grundstücksbesitzer in der Pflicht, der Mieterschaft ordentliche Beleuchtung zur Verfügung zu stellen. Knut Jacob erklärt im Gegenzug sein Unverständnis für die kostenträchtige Illumination des Marktes auf der einen und das "Kosten-Abdrücken" auf der anderen Seite. Er hat Hausnummern-Leuchten installieren lassen, die in der Regel lediglich gedimmt glimmen. Mittels Bewegungsmelder schalten sie sich ein, sobald jemand vier Meter vor dem Eingang steht und leuchten diesen Bereich recht ordentlich aus. Dass aktuell nur eine der vier Hausnummern tatsächlich glimmt, "wird repariert". Mehr als den direkten Hauseingang wird jedoch auch Jacob nicht ausleuchten lassen. "Seit der Block steht, also bestimmt 30 Jahre, hat die Stadt diese drei Straßenlampen betrieben. Ich muss wohl akzeptieren, dass sie nun auf Genossenschafts-Grundstück stehen. Seltsam bleibt es trotzdem, denn in anderen Straßen leuchten die städtischen Straßenlampen auch die Wege entlang der Häuser, zum Parkplatz und zu den Müllcontainern mit aus."