Ein prächtiger Schlosssaal, die Wände mit Stuck und der Boden mit Marmor verziert. Darin: Nichts weiter als eine Harfe. So sieht es aus, wenn Ida Lindemann träumt. Kommenden Montag tritt die Zerbsterin beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" in Braunschweig an.

Zerbst l Während andere Kinder ihre Pfingstferien genießen, übt die dreizehnjährige Ida Lindemann auf ihrem Instrument. Die Schülerin ist das gewohnt, denn schon mit acht Jahren begann sie das Harfespielen zu lernen. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: "Sie hat noch im gleichen Jahr zum ersten Mal am Regionalwettbewerb von ,Jugend musiziert` teilgenommen", verrät ihre Lehrerin Rita Hartobanu.

Regelmäßig treten aus Hartobanus Harfenspielklasse Schüler hervor, die es von Zerbst und Coswig aus unter die deutschlandweit besten Spieler schaffen. Unter sieben Harfenschülern ist einer ein Junge und eine Schülerin ist bereits über 40.

Hartobanus Sohn Viktor war auch einmal ihr Schüler. Er stellte sich als musikalisches Talent heraus. Heute lebt er in Berlin, hat ein Stipendium an der Deutschen Staatsoper und schon mit Anna Netrebko, Placido Domingo und anderen Berühmtheiten zusammen auf der Bühne gestanden. "Das macht mich stolz und froh", sagt die Mutter.

Doch in Zeiten von knappen Stadtkassen könne man heute eigentlich keinem jungen Menschen mehr empfehlen, Berufsmusiker zu werden, meint sie: "Es sind harte Zeiten, die Jobs für Profimusiker sind knapp, wie überall im kulturellen Bereich werden Stellen abgebaut."

Harte Zeiten für Berufsmusiker

Ida liebt ihre Harfe, doch Profimusikerin zu werden, kann sie sich nur schwer vorstellen und Illusionen macht sie sich sowieso keine: "Es ist eine heikle Sache. Victor Hartobanu spielt ziemlich gut und ich weiß, wie schwer selbst er es zur Zeit hat, Arrangements zu bekommen", so die Dreizehnjährige.

Rita Hartobanu glaubt, dass Ida das Talent hätte, es in einigen Jahren als Berufsmusikerin zu schaffen. Doch Talent sei nicht der einzige Faktor, der über Erfolg oder Niederlage entscheide: "Disziplin und Selbst-organisation sind genauso wichtig". Heißt übersetzt: Wer nicht den nötigen Willen, es zu schaffen mitbringe, werde es auch mit einer noch so großen Portion Talent nicht auf die großen Bühnen der Welt schaffen.

Was ist wichtiger: Harfe oder Pferde?

Mangelnden Willen kann man Ida Lindemann nicht unterstellen. Für die Harfe hat sie sogar das Voltigieren, ihr zweites großes Hobby, an den Nagel gehängt. Ihr Vater - Pfarrer Albrecht Lindemann - hatte sich ursprünglich nur gewünscht, dass Ida auch etwas Musikalisches macht "weil das die Bildung fördert".

Dass ein Musikinstrument zu lernen gut für das logische Denken und die Auffassungsgabe im Allgemeinen ist, davon ist zumindest Rita Hartobanu überzeugt: "Viele Studien beweisen das."

Ida Lindemann geht auf das Zerbster Gymnasium. 14 von 27 Mitschülern in ihrer Klasse spielen ein Instrument. "Wenn wir neue Lehrer bekommen, sind die immer schwer beeindruckt, wie musikalisch wir sind."

Musikschüler sind "sehr intelligent"

Die meisten ihrer Musikschüler gingen auf das Gymnasium und seien sehr intelligent, sagt Rita Hartobanu. Ida Lindemann muss sich öfter im Jahr vom Unterricht freistellen lassen, um an Wettbewerben teilnehmen zu können. Gute Noten auf dem Zeugnis sind dafür als Argumentationshilfe natürlich förderlich. "Ich habe noch nie gehört, dass es da Probleme gegeben hätte", so Hartobanu.

Was tut man als Dreizehnjährige, wenn man kurz vor einem großen Wettbewerb steht? "Aufgeregt bin ich eigentlich gar nicht", sagt Ida locker. Es helfe ihr allerdings, wenn sie den anderen beim Spielen zuhören könne, bevor sie selbst ihren Auftritt habe: "Das entspannt mich".

Verrückt machen lasse sie sich nicht. ",In der Jury sitzen doch auch nur Menschen, das sind alles normale und nette Leute`, sage ich mir jedes Mal und das klappt bis jetzt ganz gut."

Julia Koch und Emilie Hoppe auch im Wettbewerb

Neben Ida Lindemann treten übrigens die Musikschülerinnen Julia Koch und Emilie Hoppe aus Coswig im "Jugend musiziert"-Bundeswettbewerb in Braunschweig an. Unter den Zerbster Schülern ist Ida die einzige, die am Bundeswettbewerb teilnimmt.