Lindau l In dieser Woche sitzt der Lindauer Ortsbürgermeister Helmut Seidler im Zerbster Rathaus, um das "letzte Tafelsilber" seiner Ortschaft zu verscherbeln. Ackerflächen werden verkauft, damit die Stadt Zerbst vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld die große Turnhalle übernehmen kann. Es sei ein "zähes Geschäft" gewesen, um an dieses Ziel zu gelangen. Damit ist für das Sorgenkind Nummer 1 eine Lösung gefunden.

Für andere Punkte auf der Lindauer Unzufriedenheitsliste ist das so bald nicht zu erwarten. Dazu gehört das frühere Diätsanatorium am Ortsrand, dessen Gebäude mehr und mehr dem Verfall preisgegeben sind. Eine Nachnutzung nach der Wende war gescheitert. Mitte Juni steht der Komplex am Zerbster Amtsgericht erneut zur Zwangsversteigerung. Das "Voyage", das ehemalige Klubhaus in der Leopoldstraße, hat seinen Zwangsversteigerungstermin gerade hinter sich. Ohne Erfolg. Der nächste Versuch ist Ende des Jahres zu erwarten. Die zusammenhängenden Gebäude mitten im Ort seien "kein Aushängeschild", das gleich nebenan verfallende Einfamilienhaus ebenso wenig.

Andererseits habe Lindau seine Hausaufgaben unter anderem bei der Infrastruktur gemacht, weist der Ortsbürgermeister hin. 2015 soll in der Friedensstraße der letzte Lückenschluss beim Fußwegebau und in der Straßenbeleuchtung erfolgen.

Da die Ortschaft über schnelles Internet verfüge, sieht Helmut Seidler es als wünschenswert an, dass die Grundschule an der Burg die neuen elektronischen Möglichkeiten auch nutzen könne. Er fordert die gleiche Qualität bei der Ausstattung wie an der evangelischen Grundschule in Zerbst: "Den Anspruch muss man haben".

Einen weiteren Platz ganz oben auf der Unzufriedenheitsliste nimmt die Ortsverbindungsstraße zwischen Lindau und Kerchau ein.

Außerdem müsse im nächsten Jahr unbedingt der ländliche Weg zwischen Buhlendorf und Schora in den Zerbster Haushalt eingestellt werden, fordert der Ortschef. Als schnelle Anbindung an die B 184 seien davon nicht nur die Lindauer, sondern auch alle anderen umliegenden Ortschaften betroffen.

Mit dem Auslaufen der Bürgerarbeiterstellen auf der Burg wird die Pflege des Areals und der Wege bis zum Teufelstein ein Problem darstellen. Außerdem fehlen die Ansprechpartner für Besucher.

Arztpraxis, saniertes Gerätehaus und Bürgerhaus sind weitere Errungenschaften der vergangenen Jahre. "Wir haben versucht, in alle Töpfen, aus denen etwas zu bekommen war, unsere Kelle reinzuhalten", drückt es Helmut Seidler bildlich aus. "Entscheidungsfreudig" sei man früher gewesen. Seit der Eingemeindung in die Stadt Zerbst gibt es diese Spielräume nicht mehr. Aus Sicht des Ortsbürgermeisters spiegelt sich das auch in den Sitzungen des Ortschaftsrates wider. Es nähmen kaum noch Einwohner teil. Was könne er denen bei ihren Anfragen auch antworten? "Wir geben es weiter, wir lassen es prüfen."

Als (altes und wiedergewähltes) Mitglied des Zerbster Stadtrates weiß Helmut Seidler nur zu gut, dass jetzt zwischen den Interessenlagen der einzelnen Ortschaften und der Kernstadt zu vermitteln ist. "Gut, dass in den letzten 20 Jahren in den Gemeinden so viel getan wurde, dass jetzt die Möglichkeit besteht, Zerbst zu unterstützen", merkt er an. Zumal die allgemeine finanzielle Situation für die Kommunen nicht einfacher werde.