Zum zehnten Mal fand Mitte Mai die bundesweite Aktion "Stunde der Gartenvögel" statt. Über die Beobachtungsergebnisse in Anhalt-Bitterfeld sprach Judith Kadow für die Volksstimme mit Annette Leipelt vom Naturschutzbund (Nabu) Sachsen-Anhalt.

Wie gut war die Resonanz in Anhalt-Bitterfeld?

Annette Leipelt: Wir sind sehr zufrieden. In Anhalt-Bitterfeld haben 116 Beobachter aus 79 Gärten uns ihre Ergebnisse mitgeteilt. 3258 Vögel sind in die insgesamt drei Tagen, die die Aktion lief, gezählt worden. Das die 100er-Marke geknackt wurde, ist wirklich erfreulich. Das war nicht in allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt der Fall.

Wie sieht denn das Ergebnis für das Bundesland aus?

In 990 Gärten sind 37 671 Vögel gezählt worden. Das ist ein gutes Ergebnis. Die Resonanz war besser als im vergangenen Jahr und das trotz eines Regentages. Die Vögel sollten zwischen dem 9. und 11. Mai beobachtet werden. Viele Vogelfreunde nutzten bereits den Freitag.

Gab es Überraschungen?

Nein. In Anhalt-Bitterfeld wie auch in Sachsen-Anhalt sind die altbekannten gefiederten Freunde wieder an der Spitze. Der Haussperling ist am häufigsten beobachtet worden. In ABI sowie im Gesamtergebnis Sachsen-Anhalt folgen Amsel und Star auf den Plätzen. Auf Platz 4 ist in ABI die Mehlschwalbe gelandet.

Welche Erkenntnis lassen die Ergebnisse zu?

Die Stunde der Gartenvögel erfüllt den Zweck der Trendbeobachtung. Beispielsweise können wir feststellen, dass bei uns lediglich ein leichter Rückgang der Rauch- und Mehlschwalben und des Mauerseglers zu verzeichnen ist. Im Westen Deutschlands ist dieser Rückgang viel deutlicher. Durch diese Aktion lassen sich regionale Unterschiede sehr gut herausarbeiten und natürlich auch auf die Vogelwelt als solches hinweisen. Wir wollen die Menschen ja auch sensibilisieren.

Wofür zum Beispiel?

Vögel brauchen Lebensraum. Mehl- und Rauchschwalben sowie Mauersegler sind Gebäudebrüter. Bei Sanierungen sollten deshalb nicht alle Einflugmöglichkeiten (Spalten) geschlossen werden, um diesen Vögel das Nisten auch weiterhin zu ermöglichen. Eine andere Möglichkeit ist, künstliche Nisthilfen zur Verfügung zu stellen.

Ganz am Ende der langen Beobachtungsliste wird unter anderen die Sichtung eines Seeadlers geführt...

In Sachsen-Anhalt gibt es 30 bis 35 Brutpaare von Seeadlern. Auch dort können wir einen Aufwärtstrend verzeichnen. Genauso wie der Schwarzspecht und ein Sperber einmalig beobachtet wurden, sind das die Ausnahmen. Die Beobachtung sollen ja eigentlich im Garten, Park oder der heimischen Wiese erfolgen.

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