Das Pfingstfest beschert den meisten von uns ein verlängertes freies Wochenende. Was aber verbirgt sich hinter diesem christlichen Fest? Darüber sprach Daniela Apel für die Volksstimme mit Thomas Meyer, Pfarrer der Kirchgemeinde St. Nicolai und St. Trinitatis.

Warum wird Pfingsten gefeiert?

Thomas Meyer: Pfingsten feiert die Christenheit seit circa 1700 Jahren als eines der großen Feste der Kirche. Es nimmt eine der drei Wahrnehmungsbereiche auf, durch die wir Gott erleben können. Es findet am 50. Tag nach Ostern statt und wird vom griechischen Wort pentekoste abgeleitet. Sieben mal sieben Tage feiern wir Ostern. Die Sieben steht dabei für das Vollkommene. Mit Pfingsten kommt darum alles zum Ziel. Gott begegnet dem Menschen. Das ist das Ziel dieser Welt.

Welcher der Pfingsttage ist der wichtigste?

Aus meiner Sicht ist keiner wichtiger als der andere. Der zweite Pfingsttag unterstreicht, dass es ein besonderes Fest ist, das man richtig feiern muss. Dazu reicht ein Tag nicht aus.

Welche Bedeutung hat das Pfingstfest für die Christen?

Gott ist in verschiedener Weise erlebbar. Pfingsten erinnert an die ganz persönliche zutiefst eigene Begegnungsmöglichkeit mit Gott. Er ist nicht nur ein Gott für die Welt, nicht nur ein Gott für Opa und Oma oder Mutti und Vati oder andere Menschen, sondern auch ein Gott ganz persönlich für mich. Gott geht tief, ganz tief rein. Wir reden deshalb vom Heiligen Geist. Geister können in unserer Vorstellung durch Türen und Wände gehen. Gottes Geist geht sogar bis in Herz. Wir feiern also Gottes Nähe. Durch diese Nähe die Gott zu uns sucht, werden Menschen immer wieder angerührt und angesprochen. Das war zur Zeit Jesu und dann nach seinem Tod der Auslöser für das Entstehen christlicher Gemeinschaften. Deshalb wird Pfingsten oft auch als Geburtstag der Kirche bezeichnet.

Wie wird Pfingsten in unserer Region gefeiert?

In unserer Region ist Pfingsten oft mit der Konfirmation verbunden. Hier bestätigen Jugendliche das Taufversprechen, das ihre Eltern gegeben haben, als sie selbst noch rechtlich unmündig waren. Das spiegelt ein wenig von dem wider, was Pfingsten bedeutet. Also nicht mehr die Gemeinde oder Familie, also die Tradition, in die ich hineingeboren bin, ist für meinen Glauben zuständig, sondern ich selbst habe Gott erlebt und sage ja zu einem Leben mit ihm und lebe als Christ, egal, was die anderen davon halten. Andererseits finden gerade auch am Pfingstmontag viele regionale Gottesdienste statt, die im Freien stattfinden und mit einer Kaffeetafel enden. Die Zerbster und Einwohner der umliegenden Ortsteile sind in diesem Jahr nach Eichholz um 14 Uhr eingeladen.

Was verbinden Sie persönlich mit Pfingsten?

Ich erlebe das Pfingstfest jedes Jahr anders. Da es bei mir ein Arbeitswochenende ist, bleibt erst danach Zeit für eine persönliche Stille und Besinnung auf meinen Gott in mir. In diesem Jahr verbinde ich damit die Freude auf eine ganz besondere Pilgertour von Wittenberg durch unseren Kirchenkreis nach Zerbst. Auf dem Weg sein, allein oder auch mit einer Pilgergruppe bringt viele Momente und Orte der Einkehr und der Be"Geist"erung. Gerade weil eine Begegnung mit Gott selten einem Blockbuster gleicht, sondern sich einfach einstellt, wenn man sich im Bild gesprochen zu ihm auf den Weg macht. Pfingsten kann auch mitten im Alltag werden. An Feiertagen unternehmen wir immer wieder den Versuch, solche Momente mit einem Fest wertzuschätzen.