Eines der ältesten Baudenkmäler in Zerbst öffnete am Sonntag seine Türen: Die Frauenmühle. Sven und Anne Handrich zeigten den interessierten Besuchern, wie hier einst der Müller sein Handwerk ausübte.

Zerbst l Man kann sie fast noch heranrattern hören, die Wagen, auf denen einst die Menschen ihre Getreide zur Frauenmühle in Zerbst brachten. Diese Zeiten sind zwar längst vorbei, doch zweimal im Jahr ermöglichen es Anne und Sven Handrich, die heutigen Besitzer der Mühle, Zerbstern Einblicke in dieses 1299 erstmals in einem Kaufvertrag erwähnte Baudenkmal zu erhalten.

Die ersten Schritte führten die Besucher am Pfingstsonntag in ein angenehm kühles Erdgeschoss. Das dort befindliche Riemengetriebe der Mühle ist noch voll funktionstüchtig. Anders als man es sich vielleicht vorstellen mag, mussten der Müller und sein Geselle die schweren Getreidesäcke nicht bis in die vierte Etage der mit Wasserkraft oder später auch Strom betriebenen Mühle tragen. Auf jeder Etage gibt es einen Aufzug, der dies übernahm.

Zwischen Mai und September durfte die Mühle kein Wasser nutzen, erklärte Anne Handrich. Da sei das Wasser zum Bewässern der Äcker um Zerbst gebraucht worden. Die LPG habe daher dem Müller den Strom bezahlt, mit dem die Mühle stattdessen betrieben wurde.

Nur ein Müller und ein Geselle gingen hier zu Werke. Eine Tonne Getreide konnte in der Frauenmühle in 24 Stunden gemahlen werden. "Einst gab es sechs Mühlen in Zerbst", berichtete Anne Handrich. Dies ist die letzte noch erhaltene. Das Ehepaar Handrich hat die denkmalgeschützte Wassermühle erworben und macht dieses Denkmal der Bevölkerung seit 1999 zugänglich.

Und so reichten Handrichs nach einer kurzen Arbeitsschutzeinweisung - man befindet sich schließlich auf einem Betriebsgelände - Getreide aus. In kleinen, die Nacht zuvor selbstgenähten Säcken erhielten die Besucher das Getreide und trugen es nun in die dritte Etage, wo Anne Handrich die Säcke in den Trichter entleerte. Dann schmiss Sven Handrich die Maschinerie an. Man konnte sehen, wie schnell sich der Mühlstein dreht, die Mühle tat ihr Werk und nur wenige Augenblicke später konnte Anne Handrich an der Steinwalze den Anwesenden bereits die zermahlenen Getreidekörner zeigen.

Doch vor der Vermahlung kommt im normalen Produktionsablauf noch die Reinigung des Getreides. In der vierten und höchsten Etage, in über elf Metern Höhe, steht der Plansichter. Mit dieser Maschine wurde das Getreide gereinigt. Unreinheiten wie Metalle oder Steine wurden ausgesiebt. Nach maximal zehn Durchgängen sei der Korn für die Vermahlung bereit gewesen.

Das Wissen um dieses alte Handwerk haben Sven und Anne Handrich auch dem Müllermeister Günther Zacharias zu verdanken. Dieser half dem Ehepaar, die teils demontierten Maschinen wieder zusammen zu setzen. Einige Jahre lang leitete auch er Führungen durch die Frauenmühle.

Nach dem Abstieg aus den oberen drei Etagen, nachdem die Funktion der Walzen, Quetschen und Schälmaschinen erklärt und demonstriert wurde, befand sich im Erdgeschoss ein kleines Säckchen mit frisch gemahlenem Mehl, das einen letzten bleibenden Eindruck bei den Besuchern hinterließ.

Am Ausgang ließen es sich die Männer und Frauen dann auch nicht nehmen, mit einer kleinen Spende das Denkmal zu unterstützen. Wer neugierig geworden ist, sollte sich den Tag des offenen Denkmals am 14. September schon einmal im Kalender ankreuzen. Dann öffnen auch Anne und Sven Handrich wieder die Frauenmühle für zahlreiche Besucher.

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