Der Schneefall im Dezember hat nicht nur in den Wäldern bei Leitzkau seine Spuren hinterlassen. Besonders junge Kiefernbestände litten unter den Schneemengen, sagt Revierförster Dietmar Schleth. Bei Leitzkau und im Stadtwald Zerbst hat er die größten Schäden ausgemacht. In anderen Revieren ist die Lage weniger dramatisch

Leitzkau. Auf rund einen Hektar schätzt Revierförster Dietmar Schleth vom Betreuungsforstamt Nedlitz den Schaden des bisherigen Winters. "Bei Leitzkau gab es die größten Schäden durch Schneebruch", sagt er. In einem jungen Kiefernbestand ist das Ausmaß zu betrachten. Die dünnen Stämme haben sich unter der gewaltigen Schneelast gebogen, teilweise liegen die Baumkronen neben den Wegen. "Hier hilft nur noch die Abholzung", stellt der Förster fest. Die zerstörten Bäume müssen sobald wie möglich aus dem Wald geschafft werden. Dazu muss sich Dietmar Schleth mit den Waldbesitzern treffen. Denn der Förster berät die privaten Waldbesitzer nur. Handeln müssen die Eigentümer dann selbst.

Bleibt das Holz liegen, bilde es eine wunderbare Brutstätte für die Holzparasiten, schildert der Forstmann weiter. An einen schnellen Abtransport der von ihm geschätzten rund 150 Festmeter ist allerdings nicht zu denken. Nur mit allradgetriebenen Geländewagen ist das betroffene Waldstück bei Lochau überhaupt zu erreichen. "Ein Lkw hat hier keine Chance, in den Wald zu kommen", ist er überzeugt. Zunächst einmal müsste das Stauwasser verschwinden, damit überhaupt an den Einsatz schwerer Technik zu denken sei.

Derweil können sich Bürger privat Holz aus dem Wald holen. Das Geschäft mit dem Brennholz boomt immer mehr, seit die Bürger erkannt haben, dass sich damit preiswert das Haus heizen lässt.

Ist die betroffene Fläche erst einmal abgeräumt, muss sie wieder aufgeforstet werden. Einige Tausend Euro kann das pro Hektar kosten. Je nachdem welche Arten gepflanzt werden. Während robuste Laubbäume mit hohen Kosten zu Buche schlagen, sind Kiefern relativ günstig, weiß er. Im Zerbster Stadtwald, den Dietmar Schleth ebenfalls betreut, sei der Schaden durch den Schnee geringer. Mit 50 Festmetern rechnet der Fachmann hier.

Förster Michael Pieper vom Forstamt Jerichow, welches zum Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel gehört, hat bislang nur geringe Schäden durch den Schnee in seinem Revier ausgemacht. "Im Vergleich zur Altmark sind wir glimpflich davon gekommen", schätzt er auf Nachfrage der Volksstimme ein. Vor allem junge und ungepflegte Kiefernbestände seien bei ihm betroffen, sagt er weiter. Seit zwei Wochen hat Forstdirektor Rainer Aumann vom Bundesforstamt in Möser seine Waldarbeiter im Dauereinsatz. "Viele Wege sind durch angebrochene Baumkronen versperrt", erzählt er. Mühsam kämpfen sich seine Arbeiter durch das Wegenetz, um den Übungsbetrieb der Bundeswehr aufrecht zu erhalten. In den Wäldern will er das abgebrochene Holz dagegen nicht beseitigen. Das wäre zu viel Aufwand, unterstreicht er. "Pro Hektar haben wir vielleicht ein halben bis einen Kubikmeter Holz zu liegen", schätzt er ein.

Dietmar Schleth vom Leitzkauer Revier muss sich noch einige Zeit gedulden, bis es zum Aufräumen kommt. Bis Februar könne noch weiterer Schnee fallen und vielleicht noch nicht betroffene Bereiche schädigen.

Versichern können sich die Waldbesitzer gegen den Schneebruch nicht, erklärt er. Zur Schadenshöhe könne er momentan noch keine Angabe machen. Das richte sich auch danach, wie viel Geld das Kiefernholz einbringen wird. Die Nachfrage nach dem nachwachsenden Rohstoff sei zurzeit nicht schlecht, schildert er. Vor allem die Industrie nimmt die dünnen Kiefernstämme gern ab. Zellstoff oder Baumaterial entsteht dort daraus.

Was auf der später kahlen Fläche wieder angepflanzt werde, müsse der Waldbesitzer entscheiden. In der Region um Leitzkau wachsen dank des guten Bodens nicht nur Kiefern. Auch Laubbäume und andere Nadelbäume haben hier einen guten Standort. Letztlich sei das aber alles eine Frage des Preises, betont er. Die Laubbäume haben die Schneelasten ebenso wie Tannen und Lärchen gut überstanden.

In einem gesunden Wald sollten nach Meinung des Försters viele Laubbäume stehen. Mischwälder seien viel resistenter gegen Schädlinge. Allerdings spielt die Bodenbeschaffenheit bei der Auswahl geeigneter Bäume für eine Aufforstung eine zentrale Rolle, sagt Michael Pieper. In seinem Revier bei Jerichow sei die Bodenqualität nicht so berauschend, schildert er weiter. Oftmals bleibe den Waldbesitzern deshalb gar keine Wahl, als die Kiefer. Der schnell wachsenden Nadelbaum komme mit den Sandböden sehr gut zurecht. "Wir haben schon vieles versucht in den vergangenen Jahrzehnten. Trotzdem bleibt die Kiefer vorherrschend in der Region", ist er überzeugt.