Montag, 12 Uhr, Pegelstand der Elbe bei Barby: 6,21 Meter. Die Straßen von Walternienburg nach Ronney sind bereits überflutet. Dienstag, 12 Uhr, Pegelstand der Elbe: 6,48 Meter. Die Lage spitzt sich zu. In Ronney verlassen die ersten Einwohner ihre Häuser. Alarmstufe IV wird ausgerufen. Sandsäcke liegen bereit.

Ronney. Die Nuthe fließt rückwärts. Ihr eigentliches Mündungsziel, die Elbe, erreicht der Fluss nicht. Beide Gewässer haben ihr Flussbett verlassen und suchen sich ihren Weg über Wiesen, Wald und Ackerland.

Die Straße von Walternienburg nach Ronney ist seit Montag gesperrt. Sie ist überflutet. Vom nebstgelegenen Sportplatz ist nichts mehr zu sehen. Lediglich die Fußballtore schauen noch etwa 20 Zentimeter aus dem Wasser.

Heike Hoppadietz, Inhaberin der Gaststätte zum Fährmann in Ronney, hat Montagnachmittag kurzerhand ihr Anwesen verlassen. "Das Wasser ist so schnell gestiegen, da habe ich es mit der Angst bekommen", erzählt sie. Schon morgens gegen 6 Uhr habe die 44-Jährige gehört, wie das Wasser über die Deiche lief. "Es klang, als würde ein lautes Schiff vorbei fahren." Vor die Türen habe sie schnell noch ein paar Sandsäcke gestapelt und dann nix wie weg. Untergekommen ist sie bei Bekannten. Den Sohn hat sie zu den Großeltern nach Zerbst geschickt. Schließlich müsse er zur Schule. Und nun heißt es für Heike Hoppadietz warten und hoffen.

Burghardt und Ute Gerth harren dagegen weiterhin in Ronney aus. Viel zu groß ist die Sorge um die rund 100 Vögel, die sie beherbergen. "Momentan versuchen wir lediglich zu retten, was zu retten ist", erzählt Burghardt Gerth. Allerdings ist er "stinkesauer". "Das hätte alles gar nicht sein müssen", schimpft er. Bereits vor gut zehn Monaten habe er den Bau eines Schuppens beantragt, in welche er seine Tiere bei Hochwasser unterbringen kann. Die Genehmigung hierfür habe er bis heute nicht bekommen. "Hätten wir sie, müssten wir das ganze Theater hier gar nicht veranstalten", sagt er. Dennoch sei es bei ihnen noch nicht ganz so dramatisch wie 2002. "Erst ab einem Pegel von gut 7 Metern müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen", sagt er.

Allerdings kann im Moment keiner genau prognostizieren, was noch geschieht. "Im Notfall müssen Ute und Burghardt Gerth eben evakuiert werden", sagt der Leiter der Wasserwache, Hans Wink.

Vom Depot der Ortswehr aus koordiniert er in enger Zusammenarbeit mit dem Bau- und Ordnungsdezernenten, Andreas Fischer, und dem Leiter des Amtes für Sicherheit- und Ordnung, Thomas Sanftenberg, alle Aktivitäten rund um den Hochwasserschutz. Für die gesamte Hochwasserabwehr in diesem Raum sind derzeit mindestens sechs Leute im Einsatz. Karsta Bringezu ist eine von ihnen. Sie behält das Telefon in der Stabsstelle im Auge, hält den Kontakt zu Ämtern, Kollegen und dem Leiter der Wasserwache. Sie fragt im drei-Stunden-Takt den Pegel ab, protokolliert die Daten und ist Ansprechpartner für besorgte Bürger.

Sie macht alles – genau wie ihre Kollegen – nach Plan. Eben genau so, wie es in der Hochwasserverordnung vorgeschrieben ist. Konkret heißt dies, aktive Maßnahmen zur Abwehr-, zum Schutz und zur Verteidigung bis hin zur Evakuierung von Mensch und Tier durchzuführen.

"Evakuiert werden muss trotz Alarmstufe IV jedoch noch nicht", beruhigt Dezernatsleiter Fischer. Gestern wurden zwar erste Sandsäcke bei betroffenen Grundstücken an der Nuthe vor die Fenster gestapelt und im Zuge dessen wurde auch ein Heizkessel abgeklemmt, Grund zur Panik gebe es dennoch nicht.

"Nach bisherigem Kenntnisstand wird der Pegel nicht den Stand der Jahrhundertflut des Jahres 2002 erreichen", sagt er. Zudem seien sie gut vorbereitet. Mehrere hundert Sandsäcke liegen zum Einsatz bereit und für den Notfall sind wir rund um die Uhr einsatzbereit. "Mehr können wir momentan leider nicht machen", so Fischer.