Botaniker arbeiten selten in jenen Höhen, in denen Dr. Anselm Krumbiegel in den kommenden Tagen die Mauerkronenbegrünung von St. Nicolai analysieren wird.

Zerbst l Der Botaniker Dr. Anselm Krumbiegel hat am Sonnabend seine Arbeit in der Kirche St. Nicolai aufgenommen. In 18 Metern Höhe untersucht und analysiert er in den kommenden Wochen den Zustand der Mauerkronenbegrünung. Diese Arbeit ist ein Teil der Sanierungsmaßnahme M24 - der Mauerkronensa-nierung.

"Es wird zum einen untersucht, welche Pflanzenarten auf den Mauern überhaupt vorkommen, dass heißt auf den ausgewählten Abschnitten - dort, wo die Gerüste jetzt stehen. Und zum anderen wird ermittelt, wie häufig diese Arten sind", erklärt Dr. Anselm Krumbiegel seine Aufgabe der kommenden Tage.

Die Erfassungen sollen so bald wie möglich abgeschlossen werden. Zum einen, "weil danach ja die Sanierung beginnt und zum anderen, weil die gesamte Bestandserfassung möglichst `gleichzeitig` erfolgen sollte, damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Ich plane daher, in der kommenden Woche, wenn das Gerüst an der Innenmauer steht, dort noch den verbleibenden Teil zu untersuchen."

Anhand dieser Bestandsaufnahme lasse sich erkennen, welche Arten mit den extremen Bedingungen auf den Mauerkronen zurechtkommen. Dabei handelt es sich vor allem um große Temperaturschwankungen und der unter Umständen lang andauernden Trockenheit.

"Die daraus resultierenden Untersuchungsergebnisse dienen wiederum dazu, bei künftigen Sanierungsmaßnahmen beziehungsweise bei der Begrünung gezielt von vornherein eben solche Arten von Pflanzen auszuwählen, die trotz Hitze und Trockenheit eine gewisse ,Wuchsfreudigkeit` besitzen", erklärt Krumbiegel. Dadurch soll vermieden werden, dass es wieder zur Erosion auf den Mauerkronen kommt, wie sie an einigen Stellen in St. Nicolai trotz Begrünung aufgetreten ist und deren Folgen jetzt beseitigt werden müssen.

Die Untersuchungen seien sowohl fachlich interessant, weil es bestimmte Parallelen zu den extremen Standorten auf den Porphyrfelsen bei Halle gibt, wie zum Beispiel am Petersberg, als auch hinsichtlich des Untersuchungsobjektes und der dadurch bedingten Arbeitsbedingungen. "Schließlich bietet sich einem Botaniker nur selten die Gelegenheit für eine Bestands-erfassung in knapp 20 Metern Höhe - noch dazu weitgehend ohne Absturzrisiko und mit guter Aussicht ins Umland", fügt Dr. Anselm Krumbiegel hinzu.

Die Maßnahme M24 ist jedoch trotz Beginn der Arbeiten noch nicht ausfinanziert. Ein wichtiger Fördermittelbescheid steht noch aus (wir berichteten). Auch im Fall der ebenfalls geplanten Sanierung der Arkadenpfeiler im Kirchenschiff steht noch nicht fest, ob die Maßnahme in diesem Jahr realisiert werden kann.

Der Förderkreis St. Nicolai ist jedoch auch weiterhin auf Spenden angewiesen. Zu diesem Zweck hat der Verein unter anderem am 21. Juni das Akademische Orchester Halle engagiert, das zur Sommersonnenwende in der Ruine aufspielen wird. Die Einnahmen kommen den Sanierungsarbeiten zugute.

Karten gibt es in der Tourist-Info in Zerbst unter Telefon (03923/23 51).