Die Polizei rät regelmäßig Fahrrad-Besitzern dazu, ihre Räder codieren zu lassen. Doch im Bereich Zerbst ist das gar nicht möglich - weder bei der Polizei noch Fahrradhändlern.

Zerbst l Aufmerksam las Rolf Kretzer aus Zerbst den Artikel zum Thema Fahrradklau (gestrige Ausgabe, Seite 7). Darin empfiehlt die Polizei, das Fahrrad unter anderem durch eine Codierung diebstahlsicherer zu machen. "Ich habe im vergangenen Jahr versucht, mein Fahrrad codieren zu lassen. Die Aussage der Polizei war: In unserem Kreis ist das gar nicht möglich."

Hans-Peter Klimmek vom Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld kann diese Ausgabe leider nur bestätigen. "Es ist in der Tat so, dass nur noch an wenigen Stellen im Land eine Fahrradcodierungen durch die Polizei möglich ist", sagt Klimmek. Das liege vor allem daran, dass etliche der mittlerweile in die Jahre gekommenen Geräte defekt sind. "Aber es gab auch andere Probleme. Hersteller stellten beispielsweise die Garantie in Frage, da durch die Codierung Span am Rahmen abgetragen wird. Bei Carbonrädern ist diese Codiermethode auch nicht ideal", erklärt Klimmek.

Doreen Wendland, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost in Dessau, verweist in diesem Fall auf die örtlichen Fahrradhändler. "Auch dort werden Fahrräder codiert."

Allerdings nicht in Zerbst. "Da habe ich auch angerufen. Das macht keiner", so Rolf Kretzer. Auf Nachfrage der Volksstimme bestätigen Heidi Krüger und Dirk Müller diese Tatsache. "Es liegt gar nicht so sehr an der Nachfrage, sondern in der Tat daran, dass durch die Gravur die Rahmengarantie erlischt", erklärt Heidi Krüger. Zudem seien viele Räder ohnehin mit einer individuellen Rahmennummer versehen, die eine Identifikation des Rades ebenfalls ermöglicht. Auch der spätere Verkauf eines codierten Rades bringe mitunter Tücken mit sich.

Fahrradhändler Dirk Müller bestätigt diese rechtlichen Bedenken. "Die Gravur gefährdet die Garantie." In seinem Geschäft sind alle Fahrräder zum einen mit einer Rahmennummer versehen, zum anderen haben viele Hersteller die Räder zusätzlich mit Typen- oder Codeschildern versehen.

Als neue Lösung wird auf polizeilicher Ebene angestrebt, das Rad mittels schwer ablösbarem Aufkleber zu codieren. Dieser Aufkleber enthalte dann eine individuelle Laufnummer sowie die Buchstaben ABI. "Diese Daten werden dann sowohl in unsere Datenbank als auch in den Fahrradpass eingefügt und helfen uns, das Rad im Falle eines Diebstahls identifizieren zu können", so Klimmek.

Dennoch dürfe vor allem nicht an einem guten Fahrradschloss gespart werden, betont Klimmek. "Die Codierung schützt erstmal nur wenig gegen den Diebstahl als solchen. Ein ordentliches Schloss ist deshalb das A und O."