2017 jährt sich zum 500. Mal der "Thesenanschlag" Martin Luthers an der Wittenberger Schlosskirche. Im Rahmen der vorbereitenden Lutherdekade hat der Reformator nicht nur einen Pilgerweg durch vier Bundesländer erhalten - der Weg wird auch gut genutzt.

Zerbst l Zu einer Pilgertour durch den Kirchenkreis Zerbst laden von heute bis Sonnabend die Evangelische Weinberggemeinde Garitz und der Förderkreis "Entschlossene Kirchen" ein. Startpunkt ist, außerhalb des Kirchenkreises gelegen, die Lutherstadt Wittenberg. Der Weg führt danach, teilweise auf dem Lutherweg, über Griebo, Coswig, Buro, Klieken, Düben, Thießen, Kleinleitz- kau, Garitz, Trüben, Bonitz und Bone nach Zerbst. Er steht unter dem Motto "Sich bewegen bringt Segen". "Wir wollen von einer offenen Kirche zur anderen ins Gespräch kommen, Details und Geschichten unserer Kirchen kennenlernen, gemeinsam essen, beten, singen und Konzerte genießen", sagt Pfarrer Thomas Meyer aus Zerbst. "Jeder, der möchte, ist dazu herzlich willkommen." Für Ungeübte empfiehlt er allerdings, zur Übung vor der Pilgertour mindestens einmal fünf Kilometer und drei Tage später zehn Kilometer gelaufen zu sein.

Morgen Vormittag führt die Tour zum Auftakt von Wittenberg nach Klieken über eine Strecke von 23,5 Kilometer. Am Freitag steht die Etappe von Klieken nach Garitz über 22,5 Kilometer auf dem Programm und am Sonnabend der 16 Kilometer lange Abschnitt von Garitz nach Zerbst. Es ist auch möglich, nur einen Tag oder nur eine Strecke von Ort zu Ort mitzulaufen. Ein Shuttle kümmert sich um alle, die unterwegs Hilfe brauchen.

Menschen aus Kirchengemeinden am Weg sind eingeladen, zum Essen dazuzukommen und ein Stück des Weges mitzugehen oder mit dem Fahrrad mitzufahren. Anmeldungen sind erforderlich für alle Pilger, die Quartier und Mahlzeit benötigen. "Ohne Wunsch nach Essen und Unterkunft darf man natürlich auch spontan kommen", sagt Pfarrer Meyer.

Zur kulturellen Umrahmung findet an jedem Abend der Tour ein Konzert statt: Heute sind ab 19.30 Uhr in der Patronatskirche Klieken das Rock´n Roll-Duo Dunja Averdung und Jörg Nassler zu erleben. Morgen folgt um 20 Uhr ein Auftritt des Gospelchors "Salttown Voices" aus Halle in der ehemaligen Stärkefabrik in Garitz. Und am 14. Juni tritt in der Zerbster Kirche St. Trinitatis um 19.30 Uhr der schottische Gitarrist Ian Melrose auf. Zuvor jedoch werden die Pilgerer auf der Schleibank empfangen. Hierzu wird der Zerbster Lions Club erneut eine Kulisse aus Sitzgarnituren, ein kleines Musikprogramm sowie die kulinarische "Betreuung" aufbauen und anbieten. Bereits vor einem Jahr, als die Schleibank nach ihrer baulichen Umgestaltung offiziell eingeweiht worden war, fand hier ein "Schleibankfest" genannter Nachmittag statt. Die Pilgerer werden gegen 16 Uhr in Zerbst eintreffen. Sie und hoffentlich viele interessierte Gäste aus Zerbst und Umgebung können sich freuen, wenn auf der Schlei-bank neben ,Konserven-Musik` auch die Partytromm- ler von El Absurdo, die Trommlergruppe Stomp der Schule am Heidetor sowie die Linedancer ,Nuthe-Cowboys` in Regie von Helga Rahmsdorf auf und um die Sitzhügel auftreten werden. Das Programm kann man bei Kaffee und Kuchen, einem Bierchen und natürlich auch Herzhaftem vom Grill verfolgen", informierte Pfarrer Meyer. Die kleine Festlichkeit wird gegen 19 Uhr enden, denn wenig später beginnt in St. Trinitatis das bereits erwähnte Gitarrenkonzert. Für 22 Uhr ist eine Abschlussandacht für die Pilger in der Trinitatiskirche vorgesehen. "Doch alle Zerbster sind herzlich eingeladen, unser Pilger-Finale als Gäste zu begleiten und selbst einige schöne Stunden zu haben", so Meyer.

Der Pilgerweg von Wittenberg nach Zerbst ist tatsächlich die letzte Etappe der bereits seit mehreren Jahren erfolgten Pilgertour. Einzelne Pilgerer sind so gemeinsam mit Meyer dann sämtliche Einzelstrecken des insgesamt 410 Kilometer langen Sachsen-Anhaltischen Teils des Lutherweges gepilgert. 2009, im ersten Pilger-Jahr, bestand die Gruppe um Thomas Meyer aus sechs Pilgerern, im Laufe der Jahre wuchs sie auf zehn an. "Zwischenzeitlich hat sich die in Anhalt geborene Lutherweg-Idee ja auch in anderen Bundesländern etabliert, so dass es eine Überlegung wert ist, vielleicht in den kommenden Jahren auch mal nach Thüringen hinein zu pilgern", sagte Meyer. "Aber es kann auch gut sein, dass die Gruppe sich erneut auf den Sachsen-Anhaltischen Teil des Weges begibt." Das Pilgern selbst jedenfalls sei in der Gruppe fest verankert.