"Der Sommernachtstraum" feiert morgen um 19.30 Uhr Premiere im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau.

Dessau-Roßlau l "Der `Sommernachtstraum` hat nichts mit unserer digitalen Welt zu tun. Hier geht es um archaische Dinge, um Urgefühle, um Handgemachtes", positioniert sich Malte Kreutzfeldt zu seinem Herangehen an diese über 400 Jahre alte Shakespeare-Komödie. Als Gast inszeniert er sie am Anhaltischen Theater Dessau.

Dieses Stück sei in Wahrheit eine Reise in der Form des Erwachsenwerdens, an deren Schwelle sich zwei junge Paare befinden, fast noch Kinder. Es geht eigentlich um ernste Themen, um Entdeckung und Verlust, die, so Kreutzfeldt, "in einer schönen, leichten, hinreißenden, wahnsinnig komischen Verpackung" auf die Bühne gebracht werden. Dargestellt werden genaugenommen mehrere Geschichten gleichzeitig, die in einer Nacht parallel ablaufen, in der sich "alles auf den Kopf stellt", hebt der Regisseur hervor. Alles vollziehe sich rasend schnell.

Shakespeare hat als Handlungsort einen Wald gewählt, "der alles sein kann", meint Malte Kreutzfeldt, wohl aber "das Innere" symbolisiere. Dort leben, zwar getrennt, jedoch gemeinsam, der Feenkönig Oberon und seine Gattin Titania. In diesen Wald kommen zwei Liebespaare: Helena, die den Demetrius, Demetrius, der die Hermia, Hermia, die den Lysander und Lysander, der die Hermia liebt - "gesteuerte" Verwirrung pur. Für die bevorstehende Hochzeit von Theseus und Hippolyta am Athener Hof probt eine Handwerkertruppe um Meister Zettel ein Schauspiel ein - natürlich im Wald.

Oberon bringt "zur Unterstützung" der Liebenden seinen Diener Puck und einen "Liebeszaubersaft" ins Rennen. Dieser "vermasselt" jedoch den Plan: Der Saft tröpfelt in die falschen Augen - Chaos und Komödie bester Art!

Schlussendlich werden alle Verwicklungen aufgelöst...

Für das Erzählen dieser Geschichten "hat unser Bühnenbildner Nikolaus Porz eine grandiose Bühne für die Darstellung dieser Gleichzeitigkeit geschaffen", so Malte Kreutzfeldt - mehr solle nicht verraten werden. Damit und dazu käme eine magische Atmosphäre.

Für Malte Kreutzfeldt ist es der erste "Sommernachtsraum", wobei er übrigens ungern gleiche Stücke mehrfach inszeniert. Wenn man in seine Regie-Vita schaut, fällt seine Vorliebe zum Schauspiel und insbesondere zu den Klassikern auf. Das habe mit seiner Achtung der Klassiker an sich zu tun, mit der Lust auf den jeweiligen Stoff und an der Arbeit. Heute in Berlin und im Allgäu zu Hause, hat Malte Kreutzfeld an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst in Berlin Regie studiert, war Oberspielleiter des Schauspiels in Quedlinburg/Halberstadt und ist seit 2003 freischaffend tätig.

Er hält nichts davon, "wahllos pseudooriginelles und postmodernes Regietheater zu gestalten oder, besser formuliert, zu verunstalten" und daraus einen künstlerischen Wert für sich zu generieren, dass man besser als der Autor sei.

Aus den alten Texten profitieren, sich auf die Suche nach dessen Qualität machen, die Grenzen für eine Verortung finden, mit Menschen auf der Bühne arbeiten, die der Zuschauer gut verstehen kann - das sind Kreuzfeldts Ansprüche. Für ihn stehe die "Gestaltung" im Fokus seiner Regietätigkeit. "Wenn ich gestalten kann, bin ich total glücklich. Ich gehe gern zu jeder Probe", erzählt der Regisseur. Und das Besondere sei, dass "wir das gemeinsam mit anderen tun können".

Für das Dessauer Schauspielensemble und das Theater insgesamt - immerhin sind 15 Rollen mit ausschließlich eigenen Kräften besetzt - wird diese Premiere, auch aus der Sicht getroffener aktueller Entscheidungen für die Zukunft, ein wahres Schauspielfest werden.