Zerbst l Im Festvortrag über "Rotarische Werte in unserer Zeit" zu sprechen hatten die Zerbster Sachsen-Anhalts Altministerpräsidenten Wolfgang Böhmer gebeten. Der Wittenberger, der selbst Rotarier ist, habe dieses "reizvollen Themas" wegen "der Einladung einfach nicht widersprechen können". In einer Zeit, da es mehr üblich sei, materielle Dinge zu thematisieren, "ist es doch eher selten geworden, über die Hintergründe unseres Handelns nachzudenken und darüber, was eine Gesellschaft eigentlich zusammenhält, damit sie lebenswert bleibt".

Böhmer verwies darauf, dass jene vier Männer, die 1905 in Chicago den ersten Rotary Club gründeten, keine neuen Werte erfinden, keine neue Ethik des Zusammenlebens kreieren wollten. Sie haben sich bewusst zu bestimmten Werten des Zusammenlebens bekennen wollen. Aus dem ersten rotarischen Grundsatz "Wer seinen Freunden dient, gewinnt auch für sich selbst" wurde 1911 "Dienen geht vor den eigenen Vorteil". Seit 1932 gibt es den Wertekodex der Rotarier, der hinterfragt, ob etwas fair ist, freundschaftfördernd, dem Wohl der Gemeinschaft dienend und wahr. Für mehr als 33 000 Clubs mit mehr als 1,2 Millionen Mitgliedern in über 200 Ländern ist dies heute bindend.

Wolfgang Böhmer ging auf die Jahrtausende alten Wurzeln der Werte des Zusammenlebens ein. Er erinnerte auch an die Wiedergründung von Rotary Clubs auf dem Gebiet der damals noch bestehenden DDR. Ein dazu im Januar 1990 in Frankfurt/Main erstelltes Konzept spricht unter anderem von "der Achtung der Würde unserer neuen Landsleute". Und hunderten Schriftstücken zur Wiedervereinigung sei das wohl das einzige mit solchem Satz gewesen.

"Wenn wir über die rotarischen Werte in der heutigen Zeit sprechen, müssen wir die Besonderheiten der heutigen Zeit beachten", nennt Böhmer Globalisierung und Technologisierung. Es sei mehr als je zuvor wichtig, Werte des Zusammenlebens bewusst zu machen, zu pflegen und zu verbreiten. "Es lohnt sich für alle, etwas dafür zu tun."