Zerbst l Was tun, wenn ein in Not befindliches Tier Hilfe braucht? Einer Zerbsterin stellte sich jüngst diese Frage. Beim Blick aus dem Fenster entdeckte sie einen Igel, der sich kaum regte. Zwar half ein Nachbar mit etwas Milch, doch als die Frau wieder aus dem Fenster sah, lag der Igel lediglich einige Meter weiter. Ein Anruf beim Tierheim blieb erfolglos. Dort habe ihr die Tierheimleiterin mitgeteilt, dass "sie nichts machen könnten, ich es aber dem Ordnungsamt melden könnte", schreibt die Zerbsterin. Also rief sie im Ordnungsamt an. Dort bekam sie zu hören, ob sie "denn schon beim Tierheim angerufen hätte", erinnert sich unsere Leserin. Doch der Mitarbeiter versprach Hilfe.

Darauf wollte sich die Zerbsterin aber nicht verlassen. Sie nahm einen Karton, legte den Igel hinein und brachte ihn in Sicherheit. Dies teilte sie dem Ordnungsamt auch mit. Wenig später stand eine Tierärztin vor der Tür, die den Igel abholte. "Ich bedauere aber sehr, dass man in so einem Fall keine Unterstützung vom Tierschutzverein beziehungsweise dem Tierheim bekommt und erst über Umwege einem solchen Tier helfen kann", findet die Zerbsterin.

Zdenka Meinhardt, Leiterin des Zerbster Tierheimes, kann diese Kritik nicht nachvollziehen. "Die Tierärztin war an diesem Tag gerade bei uns. Wir haben sie informiert und sie ist direkt von uns aus dorthin gefahren", erinnert sie sich. Zudem ist das Tierheim in einem solchen Fall ohnehin nicht der richtige Ansprechpartner. "Im Falle von Wildtieren besteht die Gefahr, Wilderei zu begehen", betont Zdenka Meinhardt und verweist auf geltendes Recht.

Wird ein in Not befindliches Wildtier gefunden, gilt es, den zuständigen Jäger, Pächter oder Besitzer des Grundstücks ausfindig zu machen. "Darum muss bei der Fundtieranzeige, die unbedingt zu machen ist, auch der genaue Fundort angegeben werden", erzählt die Tierheimleiterin.

Das städtische Ordnungsamt ist in solchen Fällen nicht zuständig. "Wir sind für Fundtiere zuständig", betont Kerstin Gudella. Fundtiere sind entlaufene beziehungsweise verlorengegangene Tiere, deren Besitzer unbekannt ist. Wildtiere hingegen sind herrenlose Tiere. "Das Tierheim übernimmt für uns die Unterbringung und Versorgung der Fundtiere", sagt Kerstin Gudella. Ein halbes Jahr lang hat der Besitzer dann Zeit, das Tier wieder abzuholen. Danach wird es zur Vermittlung freigegeben.

Sollten Wildtiere gefunden werden, ist die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises zu informieren. Zdenka Meinhardt warnt jedoch davor, voreilig Wildtiere an sich zu nehmen. "Man sollte die Situation erstmal eine Weile beobachten, ob die Hilfe auch wirklich notwendig ist", rät sie in den Fällen, die nicht eindeutig sind.

Im Fall des Igels kam die Hilfe rechtzeitig. "Er war von Parasiten befallen", erzählt Zdenka Meinhardt. Mittlerweile ist der Igel wieder in einem Waldstück bei Dobritz freigelassen worden.