Zerbst l Russland verehrt Katharina II. So war das Interesse an Zerbst groß, als man sich dort nach der Wende 1990 an die Prinzessin aus der Anhalt-Zerbster Fürstenfamilie wieder stärker erinnerte. Es herrschte Aufbruchstimmung. Und alte Wahrheiten und Tatsachen, die zu DDR-Zeiten entweder nicht schicklich oder verbannt waren, fanden den Weg ans Licht. Insbesondere der Internationale Förderverein Katharina II., damals maßgeblich durch Kerstin Teslenko sowie viele Gleichgesinnte getragen, widmete sich der jungen Sophie Auguste Friederike aus dem Zerbster Schloss, die mit 14 nach Russland abreiste, um dort als spätere Zarin ein Riesenreich zu führen, zu reformieren, zu entwickeln.

1994 wurde ein Städtepartnerschaftsvertrag unterzeichnet, seither haben sich insbesondere auf geistig-kulturellem Gebiet gute Beziehungen herausgebildet, findet Bürgermeister Andreas Dittmann heute, im 20. Jahr der Städtepartnerschaft. "Gerade in dieser Woche zeigt sich dies beispielhaft im Gastspiel des Tanzensembles ,Lukomorje`", erinnert Dittmann an den Auftritt am Dienstagnachmittag in der Zerbster Stadthalle. Sie war zu Katharinas Zeiten Reitbahn des Fürsten. Heute steht Katharinas Denkmal vor der Halle, im Inneren treten gern auch russische Künstler auf. "Das ist beachtlich", so Dittmann.

Partnerschaft als Chance zur Deeskalation

Der Bürgermeister verweist auch auf die aktuelle politische Situation, auf die von der Ukraine-Krise belasteten internationalen Beziehungen zu Russland. "Beide Seiten werten die Partnerschaft und alles, was sich kulturell ergibt, als Chance für eine Deeskalation", sagt Dittmann. Dies wurde im März, als die Ausstellung "Zarskoje Selo" im Zerbster Schloss ein weiteres Mal eröffnet wurde und so das Partnerschaftsjubiläum würdigt, "klar bekräftigt".

Wie wird das Jubiläumsjahr weiter aussehen? "Zunächst finden die etablierten Veranstaltungen weiter statt. So werden im Herbst Schüler des Partnergymnasiums 406 aus Puschkin/St. Petersburg im Francisceum zu Gast sein. Das hat sich prima entwickelt." Zum anderen, so Dittmann, habe die Stadt Puschkin über vorbereitende Aktivitäten für eine Würdigung des Partnerschaftsjubiläums im Herbst informiert. "Näheres wissen wir jedoch noch nicht."

Über die geistig-pädagogisch-kulturellen Beziehungen ist die Partnerschaft allerdings bislang im Wesentlichen nicht hinausgekommen. Vor drei Jahren hatte Dittmann versucht, durch den Besuch einer entsprechenden Delegation die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen. "Aber wir sind in dem Punkt noch nicht auf dem Stand, den man sich wünscht." Allerdings bestehe eine "enge Kommunikation mit der Verwaltung in Puschkin/St. Petersburg. Wir schreiben uns regelmäßig. Die Partnerschaft ist auf einem guten Weg", sagt Dittmann.

Beziehung mit Puschkin ist Herzensangelegenheit

Und Annegret Mainzer bestätigt dies. "Die Städtepartnerschaft ist bei mir persönlich tagtäglich präsent. Auf Facebook gibt es eine extra Gruppe Puschkin-Zerbst, wo reger Austausch stattfindet." Natürlich sei der Katharinaverein die federführende Adresse hinsichtlich der Städtepartnerschaft. Im Kleinen aber sind auch Personen wie Annegret Mainzer, die auch selbst schon Vorsitzende des Fördervereines war, für die Beziehungen bedeutsam. "Ja gut, ich organisiere hier und da einiges, bin auch gern als Dolmetscherin bei den offiziellen Anlässen. Das entspringt einfach meiner Leidenschaft für Russisch und Russland. Mir ist die Partnerschaft ans Herz gewachsen, und nicht zuletzt bedeutet mir die Freundschaft mit Puschkin als Zerbsterin sehr viel."