Moderne Glaskunst im Kontrast zu historischem Gemäuer ist ab sofort in St. Bartholomäi zu sehen. Bis 15. August sind in der Kirche Glasobjekte der Berliner Künstlerin Hella de Santarossa ausgestellt.

Zerbst l Gläserne Kostbarkeiten sorgen in den kommenden Wochen in St. Bartholomäi für eine reizvolle Begegnung. Das offene Kirchenschiff des Gotteshauses bietet das ideale Ambiente für die eindrucksvollen Objekte von Hella de Santarossa. Je nach Sonneneinstrahlung und Tageslicht wirken die Skulpturen und Bilder ganz unterschiedlich. So lädt die Berliner Künstlerin ein, die Ausstellung mehrfach zu besuchen und ihre zwischen 1988 und jetzt entstandenen Werke zu verschiedenen Zeiten zu erleben.

Bei der Vernissage am Sonnabendnachmittag versteckt sich die Sonne hinter den Wolken. Nichtsdestotrotz bestechen die Entwurfsmodelle durch ihre Einzigartigkeit. "Aus dem Chaos entsteht Kreativität", beschreibt Hella de Santarossa ihre Arbeit. Sie zerstört Glas und setzt es neu zusammen. Durch bemalte Partien, Schriftfragmente oder das Integrieren nichtgläserner Materialien sowie dem stetigen Experimentieren mit der Schmelz- und Klebetechnik entstehen faszinierende Exponate.

Dass nun ein Auszug ihres Schaffens in Zerbst gezeigt wird - darunter ein Glasbild der jungen Katharina -, hängt mit der derzeit im Naumburger Dom zu sehenden Sonderausstellung "Glanzlichter" zusammen. Hella de Santarossa gehört zu den Gegenwartskünstlern, die für die Schau architekturbezogene Objekte gefertigt haben. Sie entwarf ein Fenster- und Innenraumkonzept für die romanische Kirche in Wertlau, das zur 800-Jahrfeier des Sakralbaus am 12. Juli präsentiert wird. Die Besucher dürfen gespannt sein auf ein strahlend helles Engelsfenster als Prototyp für vier Fenster gleichen Formats im Chorgeviert.

Über das Wertlauer Gotteshaus, das zur Parochie St. Bartholomäi gehört, lernte Hella de Santarossa auch die einstige Hof- und Stiftskirche auf der Schlossfreiheit kennen. Daraus entstand die Idee zur jetzigen Ausstellung, wie Pfarrer Albrecht Lindemann bei der von Steffen Bischoff mit Bläsermusik umrahmten Eröffnung erzählt. Daneben schildert er den künstlerischen Werdegang von Hella de Santarossa und berichtet von ihrem gesellschaftspolitischen Engagement.

Die enge Beziehung zum Glas ist ihr dabei in die Wiege gelegt. Sie selbst nennt es "Zufall" oder "Schicksal". "Als Kind habe ich in der Werkstatt mit Glas gespielt", berichtet Hella de Santarossa vom Familien-Unternehmen Derix, das in vierter Generation besteht. Zugleich schwärmt sie von der Strahlungskraft geblasenen Glases, von der sich jeder nun selbst überzeugen kann.

Die Ausstellung ist montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr und am Wochenende von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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