Die Mitglieder von acht Freimaurer-Logen feierten in Zerbst das Johannisfest. Einen Höhepunkt bildete die Präsentation von restaurierten Logenabzeichen (Bijous), Ordens- und Halsbändern sowie Gesellen- und Meisterschurzen im Museum.

Zerbst l In einem völlig unscheinbaren Karton lagerten die nun hervorgeholten Freimaurer-Schätze im Fundus. "Wir wussten, dass es die Objekte gibt, kannten aber nicht das Ausmaß", erklärte Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach. Dass die Gesellen- und Meisterschurze sowie Ordens- und Halsbänder neben einigen Bijous jetzt in neuem Glanz erstrahlen, hat seinen Ursprung in einem Jubiläum, das direkt mit der Stadt verbunden ist und in eine Sonderausstellung mündete: 230 Jahre Freimaurerei in Anhalt.

1783 ist in Zerbst die erste Loge auf anhaltischem Boden gegründet worden: die Loge "Friedrich zur Beständigkeit", die in der heutigen evangelischen Bartholomäischule ihr Domizil hatte. Und auch die zuletzt gebildete Loge "Wolfgang zur Treue" hatte ihre Wurzeln in der Rolandstadt - ihr Logensaal befand sich im traditionsreichen Gaststätte "Von Rephuns Garten".

Alte Seide birgt Tücken bei Restauration

Doch zurück zur Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft der Weltkugelstiftung stand und ein voller Erfolg war. Zwischen Oktober 2012 und Januar 2013 zählte sie nicht nur zahlreiche Besucher. Auch das umfangreiche Begleitprogramm mit öffentlichen Führungen, Gesprächsrunden und Podiumsdiskussionen stieß auf erstaunliches Interesse. Regen Absatz erlebten die angeboten Schriften, von deren Erlös das Museum profitieren sollte. Das eingenommene Geld erhielt die Einrichtung als Spende, um Exponate der im Nationalsozialismus verbotenen und zu DDR-Zeiten totgeschwiegenen Freimaurerei zu restaurieren.

Dies übernahm die Textilrestauratorin Anita Gerlach, die sich lachend als "Zerbster Kind" bezeichnete und die sich immer wieder freut, wenn sie die Arbeit mit der alten Heimat verbindet. Gern stellte sie sich der Herausforderung, den aus Leder und Seide gefertigten Schurzen und Bändern sowie den - eigentlich nicht zu ihrem Metier gehörenden, aus verschiedenen Metallen bestehenden - Bijous ihr einstiges Aussehen wiederzugeben.

Die Stücke "waren unheimlich dreckig", erzählte Anita Gerlach, wie sie die Exponate zunächst mit Seifenkraut gewaschen hat. Das Leder reinigte sie zudem mit Wollfett. "Nähen lässt es sich nicht", zeigte sie auf winzige erhaltenen Löcher. Auch die äußerst empfindliche Seide hatte ihre Tücken. Dennoch: "Es hat Spaß gemacht", betonte die Restauratorin.

Logenbrüder sagen weitere Spende für Museum zu

Vom Ergebnis ihrer gelungenen Arbeit konnten sich am Sonnabendnachmittag die Mitglieder der acht Freimaurer-Logen überzeugen, die sich zum Johannisfest in Zerbst trafen. Aus Dessau, Halle, Magdeburg, Bremen, Bernburg, Quedlinburg, Celle und Brandenburg/Potsdam kamen die Herren in Schwarz und zeigten sich begeistert von den musealen Fundstücken.

"Wir danken, dass diese Schätze gefunden worden", erklärte Hans-Günther Fischer von der Weltkugelstiftung. Zugleich sagte er zu, das Zerbster Museum weiterhin mit Spenden zum Restaurieren von freimaurerischen Objekten zu unterstützen, um diese zu erhalten. Mit dem Schwert der Loge "Esiko zum aufgehenden Licht" präsentierte Agnes-Almuth Griesbach auch gleich ein passendes Exponat, bevor sie die Logenmitglieder noch durch die Kreuzgänge führte.

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