Man nehme die Orgel, die ein gewisser Herr Kahrling einstmals in Loburg gebaut hat, dazu den Kantor, der normalerweise an der Silbermann-Orgel in der Dresdner Hofkirche spielt, und schmecke dies alles mit einem Programm ab, in dem Klassiker und moderne Komponisten zu Gehör kommen. Fertig ist der zweite Akt des diesjährigen Loburger Orgelsommers.

Loburg l Thomas Lennartz spricht von einem spannenden Erlebnis: Am Sonntagmorgen noch hatte er an "seiner" Dresdener Silbermann-Orgel gespielt, am Nachmittag dann war er an der Loburger Kahrlingorgel zu erleben. "Das ist schon ein beträchtlicher Unterschied", schickt er dem Konzert vor gut 100 Zuhörern in Loburgs Gotteshaus vorweg.

Man könne die beiden Königinnen der Instrumente kaum miteinander vergleichen, so Lennartz. Silbermann habe sehr unterschiedliche Instrumente gebaut. Die Loburger Kahrlingorgel ließe sich eher mit den ersten Silbermann-Orgeln vergleichen, als mit Silbermanns späteren Instrumenten.

Für die Loburger Kahrling-orgel findet Lennartz nur lobende Worte. Den Dresdener begeistern der ausgeprägte Mitteltonbereich und die Klänge, die doch eine "gewisse Schärfe" aufweisen. Lennartz zieht an einzelnen Registern der Orgel und wagt dann den Vergleich mit einem gut sortierten Gewürzregal - im allerbestens gemeinten Sinne natürlich.

Die Vielgestaltigkeit der Loburger Kahrlingorgel bildet sich schließlich auch im Programm ab, das der Dresdner Domorganist für den Loburger Orgelsommer ausgewählt hat. Da stehen in einzelnen Blöcken Barockwerke zeitgenössischen Komponisten gegenüber. Auf das "Voluntary" von John Stanley (1713 - 1786) und "Variationen über ein Thema von John Dowland" von Samuel Scheidt (1587 - 1654) folgt eine "Fantasie" von Bert Matter, Jahrgang 1937. "Moderne Komponisten an historischen Orgeln, das geht!", ist sich Lennartz sicher und entlockt bei der von ihm erarbeiteten Improvisation über "Geh aus mein Herz und suche Freud" der guten alten Kahrling-Orgel Klänge, die sie so von sich selber vielleicht auch noch nicht kannte. Das von Lennartz aufgemachte "Gewürzregal" offenbart dem Publikum Töne, die mal nach Saxofon, nach Trompete und dann gar nach Marimbaphon zu klingen scheinen.

In ihrer kurzen Dankesrede spricht auch Roswitha Müllenhaupt von einem klangfarbenreichen und bewegtem sowie bewegendem Konzert: "Ich habe Glocken und Vögel gehört und dann auf einmal auch einen Kontrabass." Und: "Wenn jemand von Loburg nach Dresden reist, ist das verständlich. Wenn aber jemand aus Dresden nach Loburg kommt, ist das besonders lobenswert."

Mit stehenden Ovationen dankten die Gäste dem aus Dresden lobenswerterweise angereisten Gast. Der verabschiedete sich mit einer "beswingten" Variation von "Adé zur Guten Nacht".