Wladimir M. Grinin, der Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, u¨bernimmt die Schirmherrschaft über die Wiedererrichtung des Schlosses Zerbst.

Zerbst l Abseits jeder internationalen Spannung hat die Beziehung zwischen Zerbst und Russland dieser Tage eine gute Entwicklung genommen. Der Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland wird Schirmherr u¨ber die Wiedererrichtung des Zerbster Schlosses.

Wie Rathaus-Sprecherin Antje Rohm informierte, habe sich Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) namens der Stadt mit der Bitte um Übernahme der Schirmherrschaft an den Botschafter gewendet. "Ich hoffe sehr, dass ich dadurch zur Bekanntmachung dieses Projektes in Sachsen-Anhalt und daru¨ber hinaus beitragen und somit das Bewusstsein fu¨r die enge historische und kulturelle Verflechtung unserer Nationen mit schärfen kann", hat Grinin dem Stadtoberhaupt geantwortet. Zum einen, um unterstu¨tzend und gegenu¨ber potentiellen Förderern deutlich zu machen, "dass das Schloss Zerbst nicht nur ein lokal bedeutsames Baudenkmal ist, sondern nationale und internationale Bedeutung ausstrahlt". Zum anderen, "um eingedenk der aktuellen Lage auf möglichst vielen Ebenen der Kommunikation deutlich zu machen, wie eng unsere Staaten miteinander verflochten sind".

Wladimir M. Grinin war bereits mehrfach in Zerbst, zuletzt zur Eröffnung des deutsch-russischen Ausstellungsprojektes "Zarskoje Selo - Die Sommerresidenz der Zaren Russlands" im Juni 2013. Fu¨r die Exposition, die auch in diesem Jahr gezeigt wird, hatte er gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Schirmherrschaft u¨bernommen.

In seinem jetzigen Schreiben, so die Sprecherin, wu¨rdigt der Botschafter das Engagement und die Einstellung der Stadt Zerbst und ihrer Bu¨rger vor allem auch zu Katharina II. als "wohl die bekannteste Symbolfigur unserer gemeinsamen Geschichte".

Gerade in den heutigen Zeiten sei "eine verstärkte Zeichensetzung fu¨r das Verbindende zwischen Russland und Deutschland" notwendig, begru¨ndet Botschafter Grinin seine Zusage, der Zerbster Bitte um die Schirmherrschaft Folge zu leisten.

Das Zerbster Schloss, heute im Eigentum der Stadt Zerbst, zählte zu den bedeutendsten Barockbauten Mitteldeutschlands und wurde bei Bombenangriffen auf Zerbst am 16. April 1945 schwer zerstört. Am 7. März 2003 gegru¨ndet, engagiert sich der derzeit mehr als 250 internationale Mitglieder zählende Förderverein Schloss Zerbst seitdem fu¨r die Sicherung und Nutzung des erhaltenen Schlossflu¨gels.

Der Stadtrat Zerbst hat 2013 die Wiederherstellung des Schlosses zur wichtigsten Aufgabe im Bereich der Denkmalpflege erklärt. Vordringlich bemühe man sich an Erhalt und Sanierung des noch vorhandenen Ostflügels, doch perspektivisch werde auch der Wiederaufbau in Gänze angestrebt, so Rohm auf Nachfrage. Zum Wiederaufbau gehöre ebenso die Betrachtung des Schlossgartens und seiner einstigen Gebäude.

Das Fürstenhaus Anhalt-Zerbst ist den Russen wegen deren Tochter Sophie Auguste Friederike (1729 bis 1796) wichtig. Sie reiste vor 270 Jahren nach Russland, um den Thronfolger zu heiraten und wurde 1762 selbst Zarin - Katharina II.