Volksstimme: Weshalb wurde eine nichtöffentlich tätige "Arbeitsgruppe Schloss" gebildet?
Antje Rohm: Die Arbeitsgruppe ist auf Initiative von Bürgermeister Andreas Dittmann mit Mitgliedern des Stadtrates, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Mitgliedern des Fördervereins Schloss Zerbst gegründet worden. Neben einer engeren Zusammenarbeit und der stärkeren Unterstützung des Fördervereins ist das Ziel die Erarbeitung eines Entwicklungs- und Nutzungskonzeptes für das Schloss.

Für das Schloss?
Wenn vom Schloss die Rede ist, dann sind ausdrücklich die erhaltenen Teile des Baudenkmals gemeint, also der Ostflügel mit den angrenzenden Bereichen des Corps de Logis. Darauf liegt der Fokus aller Aktivitäten. Natürlich wäre die Wiedererrichtung des ganzen Schlosses schön. Aber das ist von Stadt und Verein nicht zu leisten und kann deshalb nur eine Vision sein.

Warum ist jetzt Zeit für eine Arbeitsgruppen-Zwischenbilanz?
Mit der Wahl des neuen Stadtrates sind auch die Mitglieder der Arbeitsgruppe aus dessen Reihen neu zu benennen. Zudem geht der bisherige Arbeitsgruppenleiter, der städtische Amtsleiter Bernd Köhler, in Kürze in den Ruhestand. Der Bürgermeister wird die weitere Besetzung von der Verwaltungsseite festlegen.

Was hat die Arbeitsgruppe bisher erreicht?
Es gab insgesamt acht Beratungen. Das wesentlichste Ergebnis ist der im November 2013 vom Stadtrat gefasste Grundsatzbeschluss. Einstimmig haben sich die Stadträte damit zum Schloss als wichtigem kulturhistorischen und baudenkmalpflegerischen Erbe der Stadt bekannt und dazu, Sicherung und Erhalt zu unterstützen. In Umsetzung dieses Beschlusses hat das Architekturbüro Brosig + Mengewein den Auftrag zur Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes für das Schloss erhalten. Vorbild ist hier der Masterplan für das Schloss Köthen, mit dem sich die Arbeitsgruppe ebenfalls beschäftigt hat. Nicht zuletzt war und bleibt auch in diesem Zusammenhang das FFH-Gebiet im Schloss ein Schwerpunkt für die Tätigkeit, mittlerweile unterstützt von der fachlichen Beratung des Hallenser Ingenieurbüros Myotis.

Zur Zwischenbilanz passt die Nachricht von der Schirmherrschaft des russischen Botschafters ...
Einen Schirmherren für die Wiedererrichtung des Schlosses zu gewinnen war auch eine Anregung aus der Arbeitsgruppe. Der Bürgermeister hat sie umgehend aufgenommen und sich an den Botschafter der Russischen Föderation, Wladimir M. Grinin, gewandt. Die Freude über dessen schnelle und vor allem die positive Reaktion, die Ende der Woche im Rathaus einging, hat der Bürgermeister bereits in einem Dankesschreiben zum Ausdruck gebracht. Zugleich sprach er die Hoffnung aus, den Schirmherren in diesem Jahr noch in Zerbst begrüßen zu können.

Welches konkrete Einzelprojekt steht aktuell bevor?
Ursprünglich geplant war vom Förderverein die Sicherungsmaßnahme VI/1 zur Herrichtung der Fürstlichen Gruft im Corps de logis. Allerdings hat das Land die beantragte Förderung über 45 000 Euro nicht bewilligt, womit schlimmstenfalls auch alle anderen bereits bewilligten Fördermittel verfallen würden. Hier gilt es, jetzt eine Lösung zu finden.