Die Umgestaltung des Schloßgartens, die 2007 mit dem Beschluss des Denkmalrahmenplanes durch den Stadtrat ins Rollen kam, nimmt seit Monaten mehr und mehr Fahrt auf. Nun folgte eine weitere Arbeitsbesprechung, zu der auch Heike Mortell, Gartendenkmalpflegerin vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle, anweisend war und die Fortschritte lobte.

Zerbst. Das Ziel ist klar umrissen: Der Zerbster Schloßgarten soll den Charakter eines englischen Landschaftsparks zurückerhalten – in den Bereichen, in denen das möglich ist. So steht es im Denkmalrahmenplan, den der Stadtrat Zerbst 2007 beschlossen hat.

Böschung ist gute Lösung

Viele kleine Schritte in diese Richtung sind bereits gemacht worden – mit der Anlage der angedeuteten Teichbecken, Sicherheitsarbeiten am Mauerwerk der Orangerie und Marstall, den Arbeiten am Dach des Teehäuschens, den Wegarbeiten am Amalienberg.

Den deutlichsten optischen Einschnitt wird jedoch die Rückverlegung des Verbindungsweges vom Katharinenweg zum Katharina-Denkmal mit sich bringen – das nächste große Projekt der Schloßgarten-Umgestaltung. Allerdings spielt bei solchen Projekten mit erheblicher historischer Substanz die Meinung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Nachdem sich im Dezember Helmut Seidler, Vorsitzender des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses, bereits bei einer Arbeitsbesprechung mit Vertretern des Grünflächenamtes und Landschaftsplaner Uwe Merz zur Verlegung des Weges besprochen hatte, wollte er nun mit einer Einladung Heike Mortells sichergehen, dass die erdachten Pläne den Vorstellung der Denkmalpfleger entsprechen. "Wir wollen in diesem Jahr den Aufführungsplan für die Verbindungsweg fertigmachen, dem Landesamt vorlegen und die denkmalpflegerechtliche Genehmigung erhalten", sagt Seidler.

"Es ist beeindruckend, dass es nun so schnell vorangeht", sagt Heike Mortell als sie vor den Erdhügeln steht, die einst die Böschung des Verbindungsweges bildeten. Hier ist angedacht, zwischen dem rückverlegten Weg und den Fundamenten der Westflügels des Schlosses eine neue Böschung zu schaffen – dazu wird rund die Hälfte des Materials der alten Böschung genutzt, der Rest abgefahren. "Eine Freilegung des Fundaments ist finanziell nicht machbar", ergänzt Merz seine Ausführungen. "Aus konservatorischer Sicht ist diese Lösung gut", machte Mortell deutlich. Die Fundamente sollten im Boden belassen werden, da sie an der Luft Schaden nehmen würden und deren Konservierung zu aufwändig wäre.

Ute Schilling, Sachbearbeiterin für Grünflächen, fügte hinzu, dass die in der Erde gefundenen Feldsteine, auf einem Steinplatz in der Fohlenweide deponiert werden. Sandsteine und damit Bruchstücke des Schlosses, die gefunden werden, werden derzeit auf Paletten gesammelt. "Da wird sich noch entscheiden, wo wir sie lagern", sagt Schilling. Auch die Verlegung der Stromkästen in die neue Böschung sowie der Verzicht auf das Pflanzen neuer Bäume am Wegesrand stießen auf das Verständnis der Gartendenkmalpflegerin. Mit Blick auf die großen Feste im Schloßgarten, werden die Stromkästen ebenso gebraucht, wie jetzigen Baumpflanzungen die Bewegungsfreiheit bei noch folgenden Umgestaltungsarbeiten aber auch dem Aufbau der Schausteller bei Festen behindern würden.

Nachdem die Wegrückverlegung durchgesprochen war, nutzte Heike Mortell ihren Besuch, um sich weitere Teile des Schloßgartens anzusehen. Beispielsweise war bereits damit begonnen worden, das Teehäuschen freizuschneiden. Auch der vorläufige Stopp des Mittelwegrückbaus kam zur Sprache. Das Trafohäuschen am Katharinenweg fand Beachtung und Zustimmung, das es in seinem Aussehen den umliegenden Gebäuden angepasst werden sollte.

Baubeginn in 2012

Ebenso fand die Orangerie Beachtung. Mortell betonte, dass die bereits durchgeführten Sicherungsmaßnahmen dringend notwendig waren. "Sonst haben wir in fünf Jahren nichts mehr davon. Die Orangerie gehört zum Raumkonzept einfach dazu", sagte sie. Umso erfreuter nahm sie zur Kenntnis, das in diesem Jahr ein Konzert an diesem Ort stattfinden soll. Ein Ziel könne in Zukunft auch darin bestehen, den ursprünglichen Grundriss der Orangerie wieder sichtbar zu machen.

Zum Abschluss des Rundganges erhielt sie zudem einen Eindruck der neuen Wegführung am Amalienberg. "Es ist schön zu sehen, dass es vorangeht. Der Schloßgarten bedeutet kontinuierliche Arbeit mit vielen kleinen Schritten", betont Heike Mortell. Dem konnte Lutz Köcher von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Anhalt-Bitterfeld nur zustimmen. Damit gehört den Vertretern der Stadt das Lob beider Behörden, die ein wichtiges Wort in Sachen Umsetzung des Denkmalrahmenplanes zu sprechen haben.

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