Zerbst l Im Audienzzimmer des Zerbster Schlosses erlebten gut 40 Gäste am Sonntagnachmittag das dritte Konzert von insgesamt 14 des diesjährigen Musikfestes "Unerhörtes Mitteldeutschland". Es ist die vierte Auflage des vom Verein "Straße der Musik" initiierten Musikfestivals, das bis zum 6. Juli an 14 verschiedenen Aufführungsorten der drei mitteldeutschen Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit verschiedenen speziellen Programmen gefeiert wird.

Über 1400 im heutigen Mitteldeutschland wirkende Komponisten hat der Verein gewissermaßen "ausgegraben", eine ganze Reihe relativ unbekannter davon zur Wiederaufführung gebracht. "Wir bieten unseren Gästen eine bunte Palette unbekannter und hörenswerter Musik", erklärte Daniel Schad, Vorsitzender von "Straße der Musik" bei der Begrüßung zum Zerbster Konzert. In diesem Jahr reiche die Komponistenriege vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart.

Das Zerbster Konzertprogramm hat den Untertitel "Unerhörte Serenaden". Die Aufführenden waren die Mitglieder des Tanabe-Quartetts Yuka Tababe (1. Violine), Barbara Ude (2. Violine) Hans-Günther Thomasius (Viola) und Stefan Wunnenburger (Violoncello), die durch Bernd Strauß (Kontrabass), Jürgen Dietze (Oboe) sowie Fumiko Takano (Cembalo) zu einem "Orchester in kleinerer Besetzung" erweitert wurde.

Sie alle sind renommierte Musiker des MDR-Sinfonieorchesters. In einer so kleinen Formation ist "jeder ein Solist, der sich keine Fehler erlauben kann oder sollte", erklärt der Oboist Jürgen Dietze, der das Konzert mit Informationen zum jeweiligen Komponisten und den vorgestellten Stücken moderierte.

Nicht mehr zu den weniger bekannten Komponisten gehört dank des Wirkens der Internationalen Fasch-Gesellschaft und der gemeinsam mit der Stadt Zerbst veranstalteten Internationalen Fasch-Festtage der ehemalige Zerbster Hofkapellmeister Johann Friedrich Fasch (1688-1758). Wohl auch als Referenz an Zerbst wurde als erstes Stück das Konzert D-Dur für Oboe, Streicher und Basso Continuo ausgeführt. Die Gäste erlebten ein flott gespieltes Stück, das von der besonders faszinierenden Klangfarbe der Oboe geprägt war und insbesondere durch die musikalischen Dialoge zwischen Oboe und erster Violine spannungsreich daher kam. Die einzelnen Künstler bewiesen schon ab diesem ersten Stück das durchgängig saubere und klangsichere Beherrschen ihrer Instrumente sowie das stets stimmige Zusammenspiel.

Im weiteren Programm nahmen die Musiker ihre Gäste mit auf eine konzertante Reise durch die Jahrhunderte. Dem Fasch-Konzert folgte zunächst eine Streicherserenade in F-Dur von Friedrich Robert Volkmann (1815- 883).Die Klangeindrücke spannten sich hier von einer anfänglichen spannungsgeladenen dunklen Klangfülle mit dramatischen Zuspitzungen über temporeiche und tänzerische Sequenzen hin bis zu dominanter Rhythmik im vierten Satz.

Es folgte eine fünfsätzige Streicherserenade aus dem Jahre 2000, die aus der Feder des Oboisten Jürgen Dietze (geb. 1954) stammt, durch eine abwechslungsreiche Stimmungsvielfalt charakterisierbar ist und durch oft kraftvoll geführte Bögen auffiel.

Als Hauptwerk schloss das Konzert mit einer Kammerserenade mit fünf Sätzen von Johannes Hannemann (1902-1945), in denen fast alle Instrumente die Gelegenheit hatten, sich solistisch zu präsentieren. Große Klangfülle und oft schnell wechselnde Klangeindrücke machten das recht lange Stück dennoch unterhaltsam spannend. "Da ist alles drin", hatte der Moderator darauf eingestimmt.

Beifall von den Gästen und Blumen vom Verein "Straße der Musik" waren "verdienter Lohn" für ein schönes Konzert, das durch den historischen Aufführungsort einen zusätzlichen Reiz erhielt.