In den Grundschulen in Anhalt-Bitterfeld wird die Verkehrserziehung groß geschrieben. In Zerbst nehmen derzeit Polizei und Gebietsverkehrswacht Radfahrprüfungen in Klasse 3 und 4 ab, doch geübt wird schon fleißig ab der ersten Klasse.

Zerbst l Die Vorfahrtsregeln, der Schulterblick, das geplante Abbiegemanöver per Handzeichen anzeigen: Radfahrer müssen im Straßenverkehr allerhand beachten. Das gilt insbesondere für Kinder. Daher wird in den hiesigen Schulen die Verkehrserziehung auch groß geschrieben.

In der evangelischen Bartholomäischule steht die aktuelle Woche ganz im Zeichen der Verkehrserziehung. Gestern probierten sich beispielsweise die erste und die zweite Klasse beim Hindernisparcoursfahren. Im Schlossgarten hatten Christian Vandrey und Stephan Seeger von der Gebietsverkehrswacht Zerbst (GVW) verschiedene Stationen aufgebaut, die die Grundschüler auf ihrem Rad zu absolvieren hatten.

"In der täglichen Arbeit merkt man sehr deutlich, welche Kinder oft Radfahren und welche nicht", schildert Stephan Seeger seine Eindrücke. Im vergangenen Jahr nahmen rund 3500 Schüler an Veranstaltungen der Gebietsverkehrswacht Zerbst teil - im Altkreis Zerbst, aber auch in Gommern, Möckern und im Wittenberger Raum.

Mitarbeiter der GVW nehmen die Prüfung der Schüler im sogenannten Schonraum ab - also auf abgeschirmten Plätzen. Die Verkehrsraumprüfung wird im Beisein von Polizeibeamten abgenommen. Die Dritt- und Viertklässler der Bartholomäischule werden morgen eine solche Prüfung ablegen. Dazu wird Michael Däumich vom Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld nach Zerbst kommen.

"Es wird feste Kriterien geben, die die Kinder absolvieren müssen", erklärt er das Procedere. An festen Punkten werden er, Vertreter der Gebietsverkehrswacht und Eltern darauf achten, ob die Mädchen und Jungen die Vorfahrt beachten, den Schulterblick vor dem Losfahren machen oder wie sie sich beim Vorbeifahren an einem parkenden Pkw verhalten. "Den Schulterblick zu vergessen oder die Hand beim Abbiegen, sind die häufigsten Flüchtigkeitsfehler", so Däumich.

Im Rahmen dieser freiwilligen praktischen Prüfung, der bereits eine theoretische Prüfung voraus ging, müssen die Schüler eine bestimmte Mindestpunktzahl erreichen, damit die Prüfung als Bestanden gewertet wird. "Sehen wir, dass Schüler grobe Schnitzer hatten, lassen wir sie die Runde gleich nochmal machen. Die allermeisten schaffen die Prüfung", so Michael Däumich. In diesem Schuljahr habe er bislang im Bereich Köthen und Zerbst "lediglich zwei Schüler erlebt, die nicht gut waren. Die große Mehrheit der Schüler ist sehr gut vorbereitet. An den Schulen wird wirklich eine hervorragende Arbeit geleistet."

Und diese Arbeit beginnt bereits in der ersten Klasse. Doch bevor die Eulenklasse von Klassenlehrerin Diane Roye gestern den Schlossgarten als Teststrecke nutzen konnte, wurden die theoretischen Grundlagen im Unterricht gelegt. Polizisten besuchten mit der Verkehrspuppenbühne die Schule, im Unterricht wurden Grundlagen besprochen wie zum Beispiel, dass vor dem Überqueren der Straße zuvor nach links, dann nach rechts und dann nochmal nach links geguckt werden muss.

"Wir werden auch noch im Unterricht den Verkehr beobachten", sagt Diane Roye. Die Mädchen und Jungen sollen bewusst sehen, wer am Straßenverkehr teilnimmt, wie man sich am Zebrastreifen zu verhalten hat.

Stephan Seeger empfiehlt Schulen, den Verkehrsgarten der GVW im Amtsmühlenweg verstärkt zu nutzen. "Dort können wir realistische Verkehrssituationen nachstellen, haben Kreuzungen, eine Ampel." Gerade erst habe die Grundschule An der Stadtmauer zugesagt, kommende Woche den Garten zu besuchen. Dort stehen im Übrigen 15 Fahrräder zur Verfügung.