Mit zahlreichen Veranstaltungen bereichern die Zerbster Gastronomen Tom Hebäcker und Volker Große seit mehreren Jahren das öffentliche Leben in der Stadt. Sie wollen das auch weiterhin tun, nicht alles aber geht wie bisher oder steht zwischenzeitlich gar ganz in Frage. Wie das Festzelt zum Zerbster Heimat- und Schützenfest.

Zerbst. Werden sie es ein drittes Mal tun? Noch ist die Entscheidung für Tom Hebäcker und Volker Große offen, ob sie auch in diesem Jahr die Wirte im großen Festzelt beim Zerbster Heimat- und Schützenfest werden.

2009 haben die beiden Gastronomen zum ersten Mal das "Kernelement des Volksfestes", so Kulturamtsleiter Andreas Dittmann, übernommen. Mit einem neuen Zelt, neuer Ausstattung, neuen Ideen, auch im Biergarten und mit einer Cocktailbar, einem vielseitigen kulturellen Angebot für verschiedenste Altersgruppen haben sie das Niveau deutlich erhöht. Und jede Menge positive Resonanz erhalten dafür. Dennoch sagen beide nach dem vergangenen Fest-Sommer: "So wie es war, geht es nicht mehr, ist es nicht mehr tragbar." Also braucht es vor einem dritten – und dann potenziell weiteren – Hebäcker/Große-Festzelt-Jahrgang Entscheidungen, "die andere mittragen müssen", nehmen die beiden Gastronomen besonders die Stadt in die Verantwortung.

In erster Linie um die finanziellen Rahmenbedingungen geht es, deretwegen Tom Hebäcker, Volker Große und der Vorstand des die Gastronomen-Standplätze auf dem Festplatz betreuenden Zerbster Verkehrsvereins sich bereits im vergangenen Jahr an Kulturamtsleiter Andreas Dittmann gewandt haben. Können die finanziellen Risiken gesenkt werden? Ist entlastendes Entgegenkommen möglich für das, was die Hebäcker & Große Event GbR im Gegenzug für das Gelingen des Heimat- und Schützenfestes leistet?

Dass es bei dieser Partnerschaft bleibt, ist Anliegen beider Seiten. "Interesse haben wir schon", sagen Tom Hebäcker und Volker Große. "Wir würden diesen hohen qualitativen Anspruch, den sie in den vergangenen zwei Jahren vertreten haben, grundsätzlich gern weiter haben", sagt der Kulturamtsleiter.

Sommerideen für ein historisches Objekt

Mögliche Ansätze gibt es. Der Sicherheitsdienst, der den Festplatz betreut, kann auch das Zelt mit übernehmen. Die Entgeltordnung für den Festplatz lässt Öffnungsklauseln zu. Auf der anderen Seite ständen, gibt Andreas Dittmann mit Blick auf die nötige Haushaltskonsolidierung zu bedenken, auch Auswirkungen auf die Einnahmesituation der Stadt.

Die Zulassungskommission für das Heimat- und Schützenfest, die in der vorigen Woche getagt hat, hat die Entscheidung über die Festzelt-Perspektiven an den Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss weitergeleitet. Dessen Mitglieder werden in der nächsten Sitzung zur Beratung auch die beiden Wirte in den nichtöffentlichen Teil einladen.

Nicht nur mit der Festzeltbetreuung bringen sich Tom Hebäcker und Volker Große mit ihrer 2010 gegründeten GbR oder einzeln seit mehreren Jahren in das Veranstaltungsangebot der Stadt Zerbst ein. Sie tun es engagiert und mit oft viel Aufwand neben ihren Hauptgeschäften, dem "Cesar‘s" sowie "Hebäcker‘s Gaststube & Biergarten ,Zur Stadtmauer‘". Dabei wird es bleiben. Bei vielen Dingen, das nennen sie einen gewichtigen Grund, "bekommen wir ganz viel Unterstützung von Leuten, die überhaupt nichts davon haben". Zerbster Geschäftsleute seien das, auch zahlreiche Freunde, die unproblematisch bei Bedarf für die beiden Veranstalter da seien.

"Definitiv gesetzt für dieses Jahr" sind das Maibaumsetzen am 30. April, dieses Mal wieder auf dem Markt, und das im vergangenen Jahr erstmals im "Cesar‘s" initiierte Hoffest zum Spargelfest. "Mit Musik und vielleicht zwei, drei Buden" soll es, so Volker "Cesar" Große, in diesem Jahr ein bisschen erweitert werden. Gesetzt ist auch die erfolgreiche Veranstaltung "Musik trifft Denkmal" im Zerbster Schloss, die längst weit über die Stadtgrenzen hinaus die Besucher anzieht. 2011 gilt die Einladung dazu für den 8. Oktober.

Nicht gleich wiederholt wird die Silvesternacht im Schloss, die zum jüngsten Jahreswechsel ihre Premiere hatte. Die Veranstalter freuen sich rückblickend noch einmal über die "ziemlich große Resonanz. Der Tenor war: Es war kalt, aber gut." Vielleicht im Zwei-Jahres-Rhythmus könnte dieses Angebot künftig wiederholt werden. Das sei dem Aufwand angemessen, "und dann sind auch schon wieder andere Bedingungen im Schloss", überlegt Tom Hebäcker. Das sei aber noch mit dem Förderverein Schloss Zerbst abzustimmen. Gleiches gilt auch für eine neue Idee, die die beiden haben – auch im Sommer mal etwas im historischen Objekt zu machen. Im Schloss oder eben auch im Museum.

Weihnachtsmarkt: Stadt wäre Moderator

Neue Ideen haben sie noch mehrere. Ein Mittelalteressen in historischer Kulisse gehört zum Beispiel dazu. Auch das "tolle Ambiente" der Sommerkirche von St. Bartholomäi würden sie gern einmal für eine Veranstaltung nutzen.

Für anderes wird über neue Konzepte nachgedacht, wie für die Halloween-Nacht, die sich im Schloss etabliert hatte, in den vergangenen zwei Jahren aber wegen mangelnder oder zu später Kartennachfrage nicht zustande kam.

Deutliches Nachdenken, "unbedingt notwendige Veränderung", die verbindet Tom Hebäcker mit der Zukunft des Zerbster Weihnachtsmarktes. Beim und nach dem Jahrgang 2010 sieht sich der Vorsitzende des Vereins City 2000, der hier ohne Volker Große für die Ausrichtung steht, "ein Stück weit allein gelassen". Sieht sich nicht in der Lage, den Weihnachtsmarkt, trotz auch vorhandener Partner, so noch einmal zu stemmen.

Kulturamtsleiter Andreas Dittmann erkennt "die Signale, dass über die weitere Form der Ausrichtung nachgedacht werden muss. Explizit ist noch keiner an uns herangetreten." Die Stadt, nach wie vor froh, dass City 2000 vor Jahren die Marktausrichtung übernommen hat, würde sich "gern koordinierend einbringen. Es wäre schade, wenn das verloren ginge, was in den vergangenen Jahren auch an dem besonderen Veranstaltungsort Nicolaikirche erreicht wurde. Da würde in der Stadt etwas fehlen", erklärt der Amtsleiter.

Zusätzlich Geld bereitzustellen und eine Agentur mit der Weihnachtsmarktgestaltung zu beauftragen, das wäre nicht das, was Zerbst entspräche. Andreas Dittmann spricht sich dafür aus, "alle Akteure an einen Tisch zu bringen" und auch mit möglichen neuen Partnern, wie zum Beispiel dem Zerbster Verkehrsverein, enger zusammenzurücken.