Mit der Konstituierung im Dezember 2010 nahm in Zerbst ein neues Gremium seine Arbeit auf: der Stadtseniorenbeirat. Nun endete die Amtszeit der damals berufenen Mitglieder. Auf ihre ehrenamtliche Arbeit blickt Werner Bressel zurück.

Zerbst l "Da steckt viel Arbeit drin", sagt Werner Bressel. Der 75-Jährige blättert in dem dicken Ordner, in dem er sämtliche Unterlagen zur ersten Amtsperiode des Stadtseniorenbeirates abgeheftet hat. Auf Antrag der SPD-Fraktion war die Bildung des Beirates im Mai 2010 durch den Stadtrat beschlossen worden. Dessen Vorgänger - die als eingetragener Verein agierende Stadtseniorenvertretung - hatte sich wenige Wochen zuvor aufgelöst.

"Am 7. Dezember 2010 fand unsere konstituierende Sitzung statt", erinnert sich Bressel. Sechs Mitglieder waren zuvor in den Stadtseniorenbeirat berufen worden - Petra Handrich auf Vorschlag des damaligen Bürgermeisters Helmut Behrendt, Gerda Schwedtke und Ursula Friedrich als Vertreterinnen der Volkssolidarität, Ruth Buchmann für das Deutsche Rote Kreuz und Silvia Dähne für die Arbeiterwohlfahrt. Werner Bressel selbst war vom Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss vorgeschlagen worden. "Wir haben zusammengepasst. Das hat wunderbar funktioniert", konstatiert er rückblickend. Dabei gab es während der Amtszeit eine personelle Änderung: Aus persönlichen Gründen schied Petra Handrich vorzeitig aus dem Gremium aus. Ihren Platz nahm Cordula Bergt ein. Ihre Funktion als Vorsitzende übernahm Werner Bressel, nachdem er den Beirat bereits als Stellvertreter kommissarisch geleitet hatte.

Vermittler zwischen Behörden und Senioren

Regelmäßig hielten immer jeweils zwei Mitglieder Sprechstunden ab - im Schnitt zehn pro Jahr, die letzte am 5. Juni. Meist erwarteten sie die älteren Bürger im Rathaus, das über einen behindertengerechten Zugang verfügt. Aber auch im Altenpflegeheim Am Plan oder in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität im Breitestein standen sie bereit, um Anliegen und Sorgen aufzunehmen. "Wir sind auch über die Dörfer gefahren", erzählt Bressel. Die Resonanz war ganz unterschiedlich. Manchmal ist in den zwei Stunden gar keiner gekommen. Andererseits haben sich einige auch schriftlich an das Gremium gewandt.

"Ich habe uns als Vermittler zwischen Behörden und den Senioren gesehen", erklärt der bisherige Vorsitzende. Helfend und beratend standen ihnen die Beiratsmitglieder zur Seite. "Zu 99 Prozent konnten wir weiterhelfen", schätzt Bressel. Auf alle Fälle gab es stets eine schriftliche Antwort. "Ich hatte einen Vorteil, ich war Stadtrat", bemerkt das FDP-Mitglied. Das öffnete ihm leicht die Türen im Rathaus.

Die vorgetragenen Probleme waren recht vielfältig. Von der Nebenkostenabrechnung über Personennahverkehr und Müllabfuhr bis zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmachten reichte das Spektrum. Auch wozu die Stadt im Rahmen des Winterdienstes zuständig ist, ging es. Ein Schwerpunkt war das altersgerechte Wohnen am Weinberg und im Breitestein. "Hier haben wir auch zusammen mit der Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst Sprechstunden abgehalten", erzählt Bressel. Er berichtet zudem von nachbarschaftlichen Differenzen. "Meist konnten wir vermittelnd eingreifen und die Parteien an einen Tisch bringen."

Nochmal aufgegriffen wurden die verschiedenen Themen in den durchgeführten Sitzungen. 19 Mal tagte der Stadtseniorenbeirat in seiner fast vierjährigen Amtszeit. "Die Zusammenarbeit mit Frau Rose von der Stadtverwaltung war topp. Sie hat die Einladungen und Protokolle geschrieben", bemerkt Bressel.

Die Beiratsmitglieder arbeiteten ehrenamtlich und völlig unentgeltlich. Dennoch: "Mir macht es Spaß", sagt Werner Bressel. Sollte ihn der Sozialausschuss erneut vorschlagen, würde er weiterhin zur Verfügung stehen - auch als Vorsitzender. Und damit scheint er nicht der einzige zu sein. Auch Silvia Dähne, Ruth Buchmann und Cordula Bergt stehen - ausgehend von den bislang eingegangenen Vorschlägen - wohl wieder zum Mitwirken bereit.